Adelaide, 01.-04.09.2011

Adelaide, 01.-04.09.2011

Da ich mit meinen Berichten in den letzten Tagen etwas in Verzug geraten bin gibt es nun eine Zusammenfassung von meinen Erlebnissen aus Adelaide…

Als ich Donnerstag im Hotel ankam habe ich erst mal ausführlich geduscht und mich frisch gemacht. Das war auch echt bitternötig nach der langen Zugfahrt. Danach habe ich mich doch wieder etwas mehr als Mensch gefühlt. Mein Hotel habe ich in einem Mega-Schnäppchen im Internet gefunden: das Mercure Grosvenor Hotel mitten in der Stadt, direkt auf der North Terrace gelegen, der großen Prachtstraße von Adelaide.

Ich bin dann losgezogen, um mir ein bisschen was von der Stadt anzuschauen und vor allem die Beine ordentlich zu vertreten. Die North Terrace aufwärts bin ich schon an den meisten Sehenswürdigkeiten vorbei gekommen: Universität, Büchereich, „Entertainment Center“, Hauptbahnhof… Ich bin die North Terrace bis zur King William Road und die dann weiter in Richtung Nord-Adelaide. Die Stadt wird durch den Torrens River geteilt. Entlang der gesamten Strecke, die ich gelaufen bin gibt es mehrere Parks und die Gegend um den Fluss herum ist sehr schön (vielleicht fand ich das auch vor allem schön, weil es mich so sehr an Cambridge erinnert hat). An der St. Andrew’s Cathedral und dem „Frauen- und Kinderkrankenhaus“ vorbei bin ich bis zur O’Connell Street hoch gelaufen, eine der großen Restaurant- und Einkaufsstraßen Adelaides. Von hier habe ich dann einen Bus zurück zur North Terrace genommen.

In meinem Polyglott-Reiseführer stand als unbedingter Restaurant-Tipp das Restaurant „Alphütte“ (hier wird geschrieben, es sei eines der besten Restaurants ganz Australiens). Da ich mich in den letzten 2 Tagen von nichts Gescheitem ernährt hatte bin ich da also hin gegangen. Der Weg war verdammt lange, aber, es hat sich rausgestellt, dass er sich gelohnt hat. Wirklich ausgezeichnetes Essen, super Service, guter Wein. Und das alles nicht so schlimm teuer wie man hätte meinen können. Ich habe Hähnchen mit Käse gefüllt bestellt (dazu gab es frisches, knackiges Gemüse, Reis und eine wunderbare Hollandaise) und dazu einen australischen Chardonnay. Das war wirklich das beste Essen, das ich bisher in Australien hatte. Und ich habe mich danach gut gefühlt, nicht nur wegen dem guten Essen, sondern auch weil ich einfach alleine in ein schniekes Restaurant gegangen bin… und weil ich mir einen Nachtisch verkniffen habe. Es war noch relativ früh, als ich wieder im Hotel ankam. Aber da ich in der vergangenen Nacht so wenig und schlecht geschlafen hatte und vor allem aber weil am nächsten Morgen um 5.15 Uhr schon wieder der Wecker klingeln musste war das auch gut so und ich habe mich ins Bett gelegt. Leider war die Geräuschkulisse im Mercure keine 4 Sterne wert. Die gesamte Nacht über habe ich das Dröhnen der zentralen Klimaanlage gehört (zumindest nehme ich an, dass es das war). Aber das Bett war extrem bequem und das Zimmer schön.

Zu meinem Bericht von Kanagroo Island am 02.09. kommt Ihr hier.

Am Samstag habe ich mich gezwungen, relativ früh aufzustehen, obwohl ich auch gut und gerne einfach hätte ausschlafen können. Aber da das ja dann schon wieder mein letzter Tag in Adelaide sein sollte bin ich um 9 Uhr aus dem Hotel raus, auf der Suche nach Frühstück (am Vorabend hatte ich dann nichts mehr gegessen. Ich ging in eine der Querstraßen zur North Terrace, die Hindley Street, fand da aber nichts, was mich angesprochen hätte. Also ging ich weiter in die Verlängerung der Straße, die Rundle Mall, wo ich auf die Touristen-Information stieß. Ich bin rein gegangen, weil ich mal nachfragen wollte, wo ich die Tram nach Glenelg Beach nehmen kann (soll der schönste Strand in Adelaide sein, wurde mir auch von einem der Golden Girls ans Herz gelegt). Also ging ich rein und wurde von einer älteren Dame bedient. Nachdem sie mir erklärt hatte, wo ich die Tram nehmen kann schaute sie mich etwas skeptisch an und fragte, wo ich her sei. Ich sagte ihr, dass ich aus Deutschland komme und sie fing sofort an, mit mir in wunderbarem, akzentfreiem Ruhrpott-Dialekt zu sprechen. Großartig! Sie wurde in Wuppertal geboren und kam vor 20 Jahren ungefähr nach Australien. Sie hat mir dann vorgeschlagen, wie ich meinen Tag weiter verbringen könnte und genauso habe ich es dann auch gemacht. Sie hat mir außerdem Infos gegeben, wo ich Arbeit finden könnte (unaufgefordert) und hat mich gebeten, wieder vorbei zu schauen, falls ich noch mal nach Adelaide komme – die Leute sind echt freundlich hier.

Ich bin also zur Tram-Station gelaufen (nachwievor ohne Frühstück) und die 25 Minuten nach Glenelg raus gefahren. Ie Tram-Strecke ist im Innenstadtbereich kostenlos. Ab einer bestimmten Haltestelle steigt dann ein Schaffner ein und kassiert ab – cooles System, finde ich. Ich habe mir eine Tageskarte gekauft für $ 8,80, was ich einen fairen Preis finde. Es war schön, auch die Vororte von Adelaide zu sehen – nicht dass die besonders schön waren, aber es war interessant. Dort angekommen habe ich mich erst mal in ein Café gesetzt und gefrühstückt. Anschließend bin ich zur Strandpromenade vor gelaufen, dort ein wenig herumgeschlendert, bin den langen Steg ins Wasser entlang gelaufen und habe entschieden: wenn Glenelg wirklich der schönste Strand von Adelaide ist, dann tun mir die Leute hier ein bisschen leid. Die Promenade an sich ist ganz hübsch, der Platz davor wirklich schön und die Einkaufstraße, die zum Strand runter führt reizend… aber der Strand an sich war verdreckt, vermüllt und unansehnlich, wie ich fand. Ich hatte nicht mal Lust, meine Füße ins Wasser zu strecken, was ich sonst bei jeder sich bietenden Gelegenheit mache. Also habe ich mich in Glenelg gar nicht weiter aufgehalten, sondern bin wieder in die Tram zurück in Richtung Stadt gestiegen. Auf dem Weg kommt man an der Pferderennstrecke vorbei, wo viele wohl gekleidete Menschen standen, viele Frauen mit den lustigen Vogelnestern auf dem Kopf, die man von Britischen Pferderennen, Hochzeiten oder Ähnlichem kennt. Ein Bild für die Götter.

Zurück in der Stadt bin ich am Victoria Suare ausgestiegen und zum Central Market gelaufen, laut der Wuppertalerin der größte Frischwaren-Markt in der südlichen Hemisphere. Ein wunderbarer Markt (würde ich in Adelaide wohnen würde ich hier immer einkaufen gehen) mit allem , was man sich so vorstellen kann – Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch, Tee, Nüsse… einfach alles. Ich bin hier einige Zeit einfach zwischen den Ständen rum geschlendert, habe die Düfte und die Atmosphäre eingeatmet. Vom Central Market kann man direkt weiter durchgehen nach China-Town (klar, so viele Chinesische Einwanderer, wie Australien hatte, gibt es hier in jeder größeren Stadt ein Chinatown), was, soweit ich sehen konnte, auch nur eine große Halle war mit furchtbar vielen Essens-Ständen. Da waren mir zu viele Aromen und zu wenig Atmosphäre in der Luft, also bin ich schnell wieder da raus und habe mich auf den Weg gemacht in die Currie Street, um den Bus nach Hahndorf zu nehmen. Auf dem Weg zur Currie Street denke ich, ich sehen nicht richtig, weil mir Luca entgegen gelaufen kommt (der Junge aus dem Zug) – ich meine, wie hoch sind die Chancen? Wir haben kurz ein bisschen gepludert. Er war schon zuversichtlicher mit seiner Jobsuche (na dann!). Da ich meinen Bus nicht verpassen wollte bin ich schnell weiter – ich hätte mir Zeit lassen könne, denn der Bus hatte 20 Minuten Verspätung. An der Haltestelle bin ich mit einem jungen Australier ins Gespräch gekommen, der auch diesen Bus nehmen wollte, um zur Verlobungsfeier seines Bruders zu fahren. Wir haben uns nett unterhalten und als der Bus dann endlich kam sind wir beide eingestiegen und haben uns voneinander weg gesetzt – genug geplaudert. Für die 28-km Fahrt nach Hahndorf war auch mein Tagesticket gültig (ich fand, der Preis wurde immer fairer). Die Strecke dorthin führt teilweise über die Autobahn, den Freeway, teilweise durch die Landschaft – eine schöne Strecke für mich, da ich auch das Adelaider Umland so zu sehen bekam. Ich kam also nach ca. 45 Minuten in Hahndorf an.

Hahndorf war eine Siedlung deutscher und schlesischer Lutheraner, die in Australien ein neues Leben in Religionsfreiheit suchten. Auf einem Schiff namens „Zebra“ unter Kapitän Dirk Meinerts Hahn kamen die Siedler in die Gegend um Adelaide und da der Kapitän ihnen zu dem Land verhalf nannten sie den Ort aus Dankbarkeit Hahndorf. Nach dem Ersten Weltkrieg herrschte in Australien eine große Deutschen-Feindlichkeit (kann man ihnen nicht verdenken, schließlich haben die Australier in diesem Krieg den höchsten prozentualen Anteil an Verlusten gemessen an der Population gehabt) und alle deutschen Siedlungen wurden umbenannt in englischsprachige. Die meisten Deutschen hörten auf Deutsch zu sprechen aus Angst und stellten den deutschen Lebensstil ein. Somit gingen die deutschen Traditionen und die Sprache mit der Zeit verloren. Heute heißt es wieder Hahndorf und wurde sogar unter Denkmalschutz gestellt. Die Hauptstraße von Hahndorf, auf der viele Gebäude aus dem 19. Jahrhundert stehen (für Australien ja alt), unter anderem einige Fachwerkhäuser, ist wirklich sehr hübsch und man kann dort wunderbar lang flanieren. Nur leider ist in Hahndorf das passiert, was überall auf der Welt passiert, wenn es deutsch sein soll: es ist alles schlecht bayrisch – nicht das gute, angenehme Bayern mit den schönen Seiten, sondern das Hofbräu-trinkende, Sauerkrautessende und „humba-humba-tätärää“-singende Bayern. Es gibt ein „German Arms Hotel“ (wo ich wirklich im Vorübergehen „Humba-Humb Tätärää“ gehört habe), diverse German Bakeries, German Wurst, German Village Shops etc. Ich bin in alles mal rein gegangen mit dem erklärten Ziel zu schauen, wie viel Deutsches sie da wirklich haben. Nicht viel. In einer der Bäckereien war das einzig Deutsche ein „Bienestich“, im German Supermarket fand ich viele Produkte von Knorr und Maggi, aber alle aus Holland. Ein paar Deutsche Sachen fand ich schon: kleine Tüte Nimm2 für $9,95 oder auch überdimensionierte Dosen (Gastronomie-Dosen) Spreewald-Gurken. Alles in allem war es ganz interessant und amüsant, aber hauptsächlich bizarr und überteuert. Ich bin ungefähr zwei Stunden auf der Hauptstraße da rum gelaufen und habe dann entschieden, lieber wieder nach Adelaide zu fahren.

Dort wieder angekommen habe ich mich über die Rundle Mall in Richtung Rundle Street aufgemacht, weil mir mein Polyglott da ein Thai-Restaurant empfohlen hat – und da ich mit der Alphütte schon so zufrieden war wollte ich der Empfehlung gerne folgen. Als ich da ankam war zu. Ich wollte schon anfangen, empört zu sein, aber dann habe ich auf die Uhr geschaut und gesehen, dass es erst 16.30 Uhr war. Okay, da muss man als Restaurant nicht unbedingt auf haben. Also bin ich über die East Terrace zum Botanischen Garten gelaufen und da durch. Eine wirklich schöne Anlage, ein schöner Park und ich kann mir vorstellen, wenn erst mal alles blüht wirklich atemberaubend. Ich bin da lange rumgelaufen und habe die Ruhe und die schönen Pflanzen genossen. Anschließend bin ich weiter über die North Terrace spaziert und dann wieder abgebogen Richtung dem Restaurant. Bis ich da angeschlendert kam hatte es auch auf. Ich habe mir ein grünes Curry mit Hühnchen bestellt, dazu Reis und ein Glas Riesling aus Adelaide. Das Curry war fantastisch (und eine riesige Portion) und der Wein hervorragend. Danke Polyglott! Danach ging’s ab ins Hotel - packen, Bilder hochladen… Am nächsten Morgen, am Australischen Vatertag (wird hier größer gefeiert und kommerzialisiert als bei uns der Muttertag!), ging’s dann schon weiter nach Perth… 2700 km, 3,5 Stunden Flug und eine Zeitzone von Adelaide entfernt.


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