Zugfahrt von Sydney nach Adelaide mit dem Indian Pacific

31.08.2011 – 01.09.2011: Von Sydney nach Adelaide mit dem  Indian Pacific

Heute früh bin ich in Katoomba aufgewacht, habe gepackt und ein Taxi (den Fehler mit dem Laufen wollte ich nicht noch mal machen, vor allem da es nun bergauf gehen sollte) zum Bahnhof genommen. Ab zurück nach Sydney, um meine 24-Stunden Zugfahrt nach Adelaide anzutreten. Gegen 12.30 Uhr kam ich in Sydney am Hauptbahnhof an – ein außergewöhnlich gewohntes Gefühl. Ich habe meinen großen Rucksack aufgegeben. Ich bin mir nicht sicher, ob man das musste, aber so musste ich ihn auf jeden Fall nicht mehr mit mir rumschleppen. Dann habe ich noch eine gute Stunde Zeit totgeschlagen mit Rauchen, rumschlendern und einem  Hähnchen-Burger von Hungry Jack’s (so heißt Burger King hier drüben). Um 14.20 Uhr habe ich den Zug bestiegen – Boarding sollte bis spätestens 14.30 geschehen. Die Red Day/Night Eater, von denen ich einen für meine Reise gebucht habe (für echt günstige 120 Dollar oder so) sind in einem Großraumabteil. Die Sitze sind echt geräumig und vor allem hat man wunderbare Beinfreiheit. Man kann die Sitze dann zum Schlafen nach hinten klappen.

Boarding geschah auf zwei Gleisen. Der Zug ist so lang, dass er nicht an ein Gleis passt. Auf der rechten Seite konnten die höheren Klassen einsteigen, auf der linken dann die meisten der niedrigeren Klassen (also auch ich). Gegen 14.40 fuhr der rechte Zug los und dockte vor meiner Zughälfte an. Der Zug hat 25 Wagons zuzüglich Lokomotive und Auto-Transportern (ich glaube, hier hängen zwei mit vorne dran). Der gesamte Zug ist 711 m lang (wow!) und wiegt (ohne Lokomotive) 1.375 Tonnen. Ich habe ein paar Mal versucht, in lang gezogenen Kurven die Lok zu sehen – ohne Erfolg, diese riesige silberne Raupe ist einfach zu lang! Bei den Ausmaßen ist es dann auch kein Wunder, dass das gute Stück mit durchschnittlich 85 km/h durch die Lande rast – Höchstgeschwindigkeit 115 km/h.

Die Strecke des Zuges führt über die Blue Mountains Richtung Westen, vorbei an Ortschaften wie Orange, Parkes, Condobolin, Ivanhoe, Menindee, Broken Hills, Peterborough und dann runter nach Adelaide (falls jemand auf der Landkarte die Strecke verfolgen möchte). Den Weg durch die Blue Mountains kannte ich ja nun schon – zumindest teilweise. Er ist aber trotzdem wieder schön, vor allem weil wir in den Sonnenuntergang fahren. Die Hügel und Berge, Täler und Wälder entlang der Strecke sind wirklich beeindruckend und das dann auch noch alles zum einem vom berühmten blauen Dunst, zum anderen von einem sanften Rosa überzogen hat was Magisches.

Für das Leibliche Wohl wird hier an Bord auch gut gesorgt – und längst nicht so furchtbar überteuert wie bei der Deutschen Bahn! Für eine Limo habe ich hier 2,20 Dollar bezahlt. Das ist fast unschlagbar günstig (da bezahlt man in der Regel in jedem Café mehr). Außerdem gibt es zwischen 18 und 20 Uhr warme Speisen (mal schauen, was sie da dann so anbieten), aber es gibt auch die ganze Zeit über Snacks und Kleinigkeiten.

In Broken Hills (wurde bekannt wegen hohem Silberaufkommen) macht der Zug einen größeren Stopp von knapp 1,5 Stunden – ich nehme an, auftanken und Futter nachladen etc. ist hier angesagt. Hier wird eine einstündige Bustour nach und durch Broken Hills angeboten. Ich habe überlegt, die mit zu machen, aber andererseits: da sitze ich dann schon verdammt lange und werde wohl froh sein, wenn ich einfach bisschen rumlaufen und die Beine vertreten kann.

Neben mir im Zug sitzt Dave. Er sieht ein bisschen wild aus, hat extrem schlechte Zähne, aber ist ein ganz netter, lustiger und vor allem angenehmer Sitznachbar. Ich denke, wir werden bestens zurechtkommen während der nächsten, noch verbleibenden, 21 Stunden. Einziges Problm an Dave ist, dass er aus Neuseeland ist und einen extremen Slang spricht und das meistens auch noch relativ leise. Ansonsten sind hier im Zug noch 4 ältere Damen (naja, im Schnitt älter – sie sind unterschiedlichen Alters, irgendwo zwischen 60 und 75 würde ich schätzen), die mir aufgefallen sind und mit denen ich schon nette Unterhaltungen hatte. Es wird wohl nicht langweilig werden. Jetzt gehe ich erst mal zum geordneten Rückzug  vor, weil alle älteren Menschen hier im Zug schon mit den Füßen scharren. Es ist gleich 18 Uhr und das warme Essen wird bald ausgeteilt – da will ich erst mal nicht im Weg stehen bzw. sitzen. Ich hol mir dann nachher was. […]

Angekündigt und getan. Gegen 19 Uhr habe ich mich auf den Weg in den Speisewagen gemacht. Es war nicht mehr alles an Gerichten verfügbar, aber ich habe noch eine Ofenkartoffel mit Chilli und Sauerrahm bekommen. Ich habe mich an den Tisch neben die vier älteren Damen gesetzt (wir haben sie später „Golden Girls“ getauft, also werde ich sie ab sofort so nennen). Zu mir an den Tisch setzte sich Max (Maximilian Warner, halb Deutscher, halb Neuseeländer, aufgewachsen in England). Wir kamen schnell ins Gespräch, haben über alles Mögliche gesprochen, über lange Strecken in Deutsch (vor allem wenn es über die anderen Fahrgäste ging).  Max ist 26 und wahrscheinlich der einzige Fahrgast, der jünger ist als ich. (Oh, nein, stimmt nicht, da ist noch ein Kind an Bord!) Max und ich senken den Altersdurchschnitt auf jeden Fall erheblich. Ich hatte gedacht und erwartet, dass vor allem hier in der „Roten Klasse“ viele junge Leute sein würden. Falsch gedacht! Wir saßen bis 21.45 Uhr (schon nach neuer Zeit, denn die Uhr muss auf der Reise nach Adelaide um eine halbe Stunde zurück gestellt werden - also bin ich Euch jetzt nur noch 7,5 Stunden voraus) – die Golden Girls, Max, ein Typ (sieht wild aus, ist letzte Nacht Vater geworden während wir im Zug saßen), eine nette und vor allem lustige Frau aus Neuseeland und eine weitere Dame. Wir haben extrem viel gelacht, ein paar Bier getrunken (was wahrscheinlich zum Lachen beigetragen hat). Um 21.45 Uhr haben wir uns dann zurückgezogen, weil um 22 Uhr das Licht im Wagon ausgemacht wurde.

Also habe ich mich in meinen Sessel zurückgezogen und mit Dave noch ein bisschen geplaudert und gelacht, bevor ich versucht habe zu schlafen. Die Betonung muss hier wirklich auf „versucht“ liegen. Zum einen sind die Sessel zum Schlafen nicht besonders bequem, zum andere war es relativ laut, kalt und stickig. Außerdem hat der Zug zwischenzeitlich so sehr geruckelt, dass ich dachte, er habe die Schienen verlassen und würde einfach über Stock und Stein fahren. Einmal muss er auch ziemlich abrupt gebremst haben, denn ich erinnere mich, dass ich mit einem riesigen Schrecken aufgewacht bin. Naja, ein paar Stunden werde ich schon geschlafen haben. Um 5 Uhr heute früh wurde es mir dann aber doch zu bunt – mir tat so ziemlich fast alles weh. Da ich schon den ersten hellen Streifen am Himmel sah ging ich einfach in den Speisewagen und beobachtete den Sonnenaufgang. Es war wirklich toll. Die Landschaft war wie nichts, was ich bisher gesehen hatte. Flach, rot, mit Büschen und Gräsern und ab und zu mal einem lebendigen oder toten Baum. Es war wirklich wundervoll. Hier habe ich dann auch meine ersten Tiere in der Wildbahn gesehen: ein Emu und ein Känguru (direkt nebeneinander). Toll! Kurz nach mir kamen die Golden Girls und somit hatte ich wieder beste Unterhaltung. Die armen hatten auch kaum geschlafen.

Gegen 7.00 Uhr kam dann der Zug in Broken Hills an. Hier sollten wir eine Pause von 1,5 Stunden haben. Wie schon erwähnt habe ich mich gegen eine Bustour entschieden und bin stattdessen mit Max einfach ein bisschen durch das Städtchen gelaufen. Es hat verdammt gut getan, frische Luft zu schnappen, die Beine mal ein bisschen mehr zu bewegen und zu rauchen! J Das Städtchen ist wirklich nichts besonderes, aber auch sowas muss man in diesem Land mal gesehen haben. Die Mienen (vor allem Kohle hier heutzutage) grenzen direkt an den Ort, es gibt alle größeren Fastfoodketten, ein Kino etc. Aber ich würde da nicht abgemalt sein wollen!

Dann weiter mit dem Zug. Ich habe mich wieder in den Speisewagen gesetzt (da ist es einfach geselliger), diesmal zu drei der vier Golden Girls an den Tisch. Wir hatten wirklich viel Spaß, haben Ausschau gehalten nach Emus und Kängurus, haben über alles Mögliche und Unmögliche geplaudert. Die drei Damen sind Witwen und kennen sich schon aus Kindertagen. Seit vielen Jahren machen sie zusammen Reisen durch Australien und darüber hinaus. Eine wunderbare Truppe.

Mittlerweile sitze ich mit einem jungen Deutschen zusammen am Tisch, ein schüchterner Bayer, der kaum den Mund auf kriegt und ungefähr 12 ist (naja, nee, ist bestimmt schon über 20, aber er sieht so verdammt jung aus bzw. so verdammt viel jünger als ich mich gerade fühle). Eine meiner Golden Girls wird hier gleich (gegen 12 Uhr) den Zug mitten im Nichts verlassen – das wird bestimmt noch ein lustiger Abschied. Gegen 15 Uhr sollen wir dann in Adelaide ankommen. Da Max da dann ca. 3,5 Std. Aufenthalt hat bevor es weiter in Richtung Perth geht werden wir wahrscheinlich noch ein bisschen zusammen durch die Stadt stromern.

Es hat sich rausgestellt, dass der junge Deutsche Luca heißt, Deutsch-Italiener ist, der in Tirol groß geworden ist und kaum den Mund aufbekommen hat, weil er irgendwie gebrochen Deutsch spricht (so ein bisschen als hätte er eine Halskrankheit, also sei er Schweizer). Und Luca ist 19 (lag also doch gar nicht so falsch mit 12). Er war auf dem Weg nach Adelaide, um da mal nach Arbeit zu schauen. Er hat noch keine Unterkunft, kann kaum Englisch, aber ist ganz zuversichtlich. Und das ist mal wieder so ein Unterschied zwischen mir und den meisten anderen Backpackern hier (die alle viel jünger sind) – die machen sich einfach nicht so einen Kopf: „Wird schon alles“.

Als wir unser eines Golden Girl im Nichts raus gelassen haben bin ich mit den anderen zum Ausgang und habe sie verabschiedet. Eine wirklich ganz liebe und lustige Frau, die liebe Kady. Zum Abschied hat sie mich in den Arm genommen und irgendwie hatten wir alle vier ein paar Tränchen in den Augen – wird wohl aber auch mit der Müdigkeit zu tun gehabt haben. Der Rest der Zugfahrt verlief dann eher ruhig. Ich habe noch ein bisschen versucht zu schlafen, habe ein bisschen Hörbücher gehört und dabei zugesehen, wie sich die vorüberziehende Natur veränderte. In Adelaide angekommen gab es dann noch einen umarmungsreichen Abschied mit den anderen Golden Girls. Ich habe mir vom Bahnhof zu meinem Hotel dann ein Taxi mit Luca geteilt. Max hatte sich entschieden, doch lieber nicht mit nach Adelaide rein zu kommen (der Bahnhof war etwas weiter entfernt als gedacht). War aber auch nicht weiter schlimm. So hatte ich dann die Gelegenheit, zu duschen und mich allgemein frisch zu machen, bevor ich dann auf eine erste Erkundungstour durch Adelaide aufgebrochen bin.


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