Kangaroo Island

02.09.2011: Kangaroo Island

Um 5.15 Uhr war eine viel zu kurze Nacht zu Ende. Ich bin um kurz nach 6 aus dem Hotel raus, um mir im Laden um die Ecke noch schnell etwas zum Frühstück zu holen, weil der Bus mich um 6.20 Uhr abholen sollte. Vor dem Hotel stand eine Frau undefinierbaren Alters ein bisschen hibbelich rum. Ich habe sie gefragt, ob sie auch nach Kangaroo Island fährt und habe es im gleichen Moment bereut. Michelle fing an zu reden und hörte nicht mehr auf – und das, wo ich doch so ein Morgen-Mensch bin mit ausgesprochen guten kommunikativen Fähigkeiten… Sie hat, denke ich, eine leichte Behinderung und hat sehr angestrengt gesprochen. Ich habe mich im Bus weit von ihr weg gesetzt. Außer uns sind noch drei ältere Frauen mit eingestiegen (also älter als ich auf jeden Fall – so Mammas Alter). An mehreren Stopss in der Stadt haben wir noch weitere Menschen in den Bus eingeladen und haben uns dann auf den Weg nach Cape Jervis gemacht, von wo die Fähre starten sollte. Die Fahrt dorthin dauerte 2 Stunden und führte durch die schöne Landschaft Süd-Australiens (habe ich mir zumindest sagen lassen, denn wir waren noch nicht ganz aus Adelaide draußen, da war ich schon eingeschlafen – mir hing nachwievor die Zugfahrt in den Knochen und außerdem die Klimaanlage im Hotel). Weg vom Festland auf die Fähre. Mit Autofähren habe ich es ja nun nicht so. Meistens ist drinnen schlechte Luft und dazu die Wellenbewegungen des Schiffes machen mich manchmal ein bisschen fertig (da kann Franzi ein Lied von singen, weil sie mit mir fast die ganze Überfahrt nach Irland an Deck verbracht hat). Ich habe mir also auf dem Schiff einen Kaffee geholt und bin an Deck gegangen. Es war recht kühl und windig, aber definitiv besser als drinnen, zumal sich da auch noch ein paar asiatische Passagiere irgendwelche Nudeln gemacht hatten, die das ganze Schiff voll stanken.

Nach 45 Minuten legte das Schiff in Penneshaw auf Kangaroo Island (KI) an. Die Insel hat insgesamt, glaube ich, 4000 Einwohner, auf 4 Städtchen und ein paar Farmen verteilt. Mit einer Länge von 155 km und einer maximalen Breite von 55 km ist sie die drittgrößte Insel, die Australien vorgelagert ist. Entdeckt wurde sie 1802 von dem englischen Entdecker Matthew Flinders (der hat viel entdeckt in Australien) und seinen Mannen. Als sie dort ankamen war die Insel unbewohnt, aber es gab Kangaroos direkt in der Nähe der Stelle, an der sie auf die Insel trafen. Da die Männer seit mehreren Wochen kein Fleisch gegessen hatten, töteten sie 30 der Tiere und nannten aus Dankbarkeit für das Fleisch die Insel „Kangaroo Island“.

In Penneshaw wurde meine Gruppe von Tagesausflüglern von unserem Busfahrer Russel in Empfang genommen. Wir fuhren los, zuerst über geteerte, dann ungeteerte Straßen. Unser erstes Ziel war „Seal Bay“, wo es eine Seelöwen-Kolonie gibt (45 Minuten Fahrt). Dort gesellte sich die Rangerin Tony zu uns, die mit uns an den Strand zu den Seelöwen gehen würde. Also machte sich unsere Truppe auf den Weg bergab zum Strand, wo wir die Tiere aus wenigen Metern Entfernung bewundern konnten. Es war wirklich faszinierend, die Seelöwen in diesem Umfeld zu sehen, auch wenn die meistens nicht mehr gemacht haben aus Ausruhen und Schlafen.

Weiter ging es nach Vivonne Bay, nicht weit entfernt, wo uns ein Mittagessen erwartete. Das war okay. Von dort nur einen Katzensprung entfernt gingen wir dann zu einer Vogelstation, in der wir eine Vorführung mit Raubvöglen der Insel sehen sollten. Ich war nicht sehr begeistert, denn ich dachte bei mir „ich komme nicht nach Kangaroo Island, um irgendwelche Vögel dumme Kunststücke vorführen zu sehen“. Aber es war toll. Die Betreuerin der Tiere machte eine wirklich tolle Vorführung und erklärte die Tiere wunderbar. Die Namen der Vögel habe ich natürlich schon wieder vergessen, aber zuerst war da eine Mischung aus Lerche und Falke, dann eine Eule (Barn Owl – Schleiereule), dann zwei ganz putzige Vögel, die ich nicht mal beschreiben kann und zuletzt ein Adler. Die Eule hat sich bei uns Zuschauern auf die Beine gesetzt (natürlich nach Vorwarnung der Rangerin) und die zwei Putzigen konnte man dann auch auf seinen Armen landen lassen (mit entsprechenden Schutzhandschuhe, weil schließlich sind es Raubvögel und sie haben scharfe Krallen). Es war wirklich toll.

Der Weg führte uns weiter durch den Flinders Chase National Park zu den Remarkable Rocks („remarkable“ kann man übersetzen mit außergewöhnlich, auffallend, bemerkenswert… und da hätten sie keinen treffenderen Namen finden können). Eine wirklich beeindruckende Felsformation. Es sieht aus, als hätte ein Riese mit großen Murmeln gespielt und als seinen diese auf dem Felsvorsprung kaputt gegangen. Hier haben wir uns einige Zeit aufgehalten, konnten rum laufen, um die Felsen herum… Wunderbar!

Anschließend ging es weiter zum Admiral’s Arch, vorbei am Leuchtturm vom Cape du Couedic (Teile der Insel wurde erst von Franzosen entdeckt bzw. beansprucht, daher der französische Name). Dort gibt es eine weitere Seehund-Kolonie, bedeutend größer als die, die wir am Vormittag gesehen hatten. Und vor allem den Admiral’s Arch, einen natürlich gewachsenen „Torbogen“ – absolut faszinierend.

Im Visitor Centre des Flinders Chase National Park sollte unser nächster und letzter Stopp sein. Ich nehme an, da soll man Souvenirs kaufen, Kaffee trinken etc.  Aber Russel hatte einen besseren Vorschlag und sagte: „Wenn Ihr Euch alle beeilt du in 15 Minuten zurück seid, dann machen wir noch einen Abstecher in unsere Auffangstation für kranke und verwundete Tiere. Nach 14 Minuten saßen alle wieder im Bus und so fuhren wir zu der Station. Hier gibt es zum einen Koalas, die hier her gekommen sind, weil es dort eine besonders schmackhafte Eukalyptus-Art gibt. Außerdem einige Kängurus, Wallabies und Federvieh. Wer von den Tieren wirklich krank oder verwundet war weiß ich nicht – teilweise sind es wohl auch Tiere, die „gerettet“ wurden, als sie noch klein waren und einfach geblieben sind. Es ist auch keine richtige Station, sondern ein offenes Gehege. Aber das war noch mal ein toller Abstecher zum Abschluss. Man konnte die Tiere wirklich von ganz Nahmen sehen – manche aus der Gruppe haben es dann übertrieben mit der Nähe, sodass die Leute von der Station sie energisch auffordern musste, bitte Abstand zu den Tieren zu halten, vor allem den Kängurus, die ein Baby im Beutel hatten.

Nun mussten wir aber zurück in Richtung Fähre und traten also die gut einstündige Fahrt zurück nach Penneshaw an. Russel machte für uns in dem Ort dann noch mal einen Stopp von 20 Minuten, um uns was zu Essen zu kaufen. Er sagte, dass es wohl öfter mal vorkommt, dass die Fähre abends nichts mehr zu Essen hat und da es weit nach 22 Uhr werden würde, bis wir wieder in Adelaide sind wollte er sicher gehen, dass wir was im Magen haben.

Auf der Fähre habe ich meinen liebsten Platz auf Deck eingenommen. Diesmal war es richtig kalt und fast schon stürmisch. Egal, immer noch besser als drinnen! Die Busfahrt zurück verlief sehr ruhig – es wäre möglich, dass ich wieder ein bisschen eingedöst bin. Wieder angekommen ging’s nur noch ins Bett. So ging ein langer, anstrengender, aber ganz, ganz toller Tag zu Ende…


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