Montag, 12.09.2011

Ich bin am Flughafen und warte auf meinen Flug Qantas QF802 nach Melbourne…  Ich bin ganz schrecklich müde und habe mich wohl gestern zum Abschied aus Perth noch erkältet. Ich hoffe wirklich, dass mein Hotel in Melbourne ruhig und schön ist – ich brauche so dringend mal eine Nacht guten Schlaf. Ich habe gerade Sitze gekauft für meinen Heimflug in zwei Wochen – unglaublich, wie sehr ich mich auf zu Hause freue!

Australische Flughäfen finde ich extrem lustig. Während die Sicherheitsvorkehrungen bei internationalen Flügen sind wie bei uns, könnten sie auf nationalen Flügen nicht mehr anders sein. Beim Check-In habe ich am Automaten einfach nur meinen Namen eingegeben in die Maschine und bekam schon meinen Boarding Pass und den Gepäckaufkleber ausgedruckt. Das Gepäck habe ich dann auch selbst eingecheckt – einfach an die Mini-Fließbänder gehen, Boarding Pass einscannen und los geht’s. Toll. Durch die Sicherheitskontrolle konnte ich einfach so gehen – also niemand wollte meine Bordkarte sehen. Und auch wenn ich, wie daheim, mein Laptop raus holen musste, so war es aber egal, dass ich noch eine 1,5l Wasserflasche im Rucksack habe. Bei nationalen Flügen kann man seine Lieben bis zum Gate begleiten (so wie man das aus amerikanischen Filmen – zumindest vor 9/11 – kennt). Und diejenigen, die aus den Flugzeugen aussteigen laufen durch die durch, die auf ihren Flug warten. Ich finde das alles ziemlich faszinierend. Und es scheint zu funktionieren…

So, Boarding geht gleich los, daher packe ich mal zusammen. Bis später oder morgen dann aus Melbourne…

 

Sonntag, 11.09.2011

Habe es heute tatsächlich recht früh aus dem Bett raus geschafft, geduscht und war um 10 unterwegs nach Freemantle. Die Hafenstadt von Perth ist ganz nett. Keine Hochhäuser, viele alte Bauten. Ich bin hier eine Zeit lang einfach nur so rumgelaufen, habe mich umgeschaut, mir Frühstück geholt (war nicht gut). Irgendwann sah ich ein Schild, dass es zum Freemantle Prison geht. Da ich gehört hatte, dass das gut sein soll bin ich da also hin gestiefelt. Ich hatte Glück, denn ein paar Minuten später hat eine Führung angefangen. Bill, ein lustiger Zeitgenosse, hat uns durch das ehemalige Gefängnis geführt. Das Gebäude stammt von ca. 1850 und bis zu seiner Auflösung in 1991 wurde daran nicht viel verändert. So hatten die Insassen z.B. keine Toiletten in den Zellen, sondern nur Eimer, die sie sich mit ihrem Zellegenossen teilen mussten. BÄH! Das Gefängnis wurde ursprünglich von Sträflingen aus Großbritannien gebaut. Diese Leute arbeiteten den ganzen Tag über und übernachteten nur in ihren Zellen. Weswegen damals wohl auch 3 m² genug Platz waren. (Übrigens ganz lustig: Western Australia war eigentlich eine „Freie Kolonie“, heißt es waren alle freiwillig da. Aber es waren wenige Kolonialisten, zu wenige, um eine Infrastruktur aufzubauen oder ähnliches. Also bat WA in Großbritannien darum, Sträflinge zu bekommen, die dann Straße und halt auch das Gefängnis aufgebaut haben.) Als es dann später als wirkliches Gefängnis genutzt wurde, wurden jeweils zwei Zellen zusammengelegt, um den Insassen mehr Platz zu geben – naja, dafür waren dann auch 2 Insassen je Zelle… Die Führung mit Bill war wirklich interessant, teilweise lustig, teilweise extrem erschreckend. Fasziniert war ich von den Kunstwerken, die manche Insassen in ihre Zellen gemalt haben – wirklich toll!

Nach dem Gefängnis bin ich weiter in der Stadt rum gestromert, bin durch die Markthalle geschlendert und durch die Straßen. Auf einmal hört ich hinter mir einen Fanfarenzug spielen und Trommeln und sah eine Prozession auf mich zukommen. Ich habe einen Mann an der Straße gefragt, was das sei und er klärte mich auf, dass dies eine Madonnenprozession der italienischen Gemeinde hier sei. Und tatsächlich: eine Prozession von Italienern, die Ihre schwarze Madonna aus ihrer Kirche in der Stadt rum getragen haben. Wundervoll! Damit hatte ich nicht gerechnet. Was mich ein bisschen verwundert hat war nur, dass sie dann mitten am helllichten Tag ein Feuerwerk gemacht haben – aber gut, das müssen sie wissen. Weiter bin ich runter an den Hafen. Dort hatte ich gedacht, ich könnte vielleicht mal lecker Fisch essen (so frisch gefangen vielleicht, einfach gedünstet…). Da hatte ich allerdings leider die bestehenden Einflüsse aus England unterschätzt. Jeder Fisch, den ich sah war paniert und durch die Fritteuse gezogen. Schade. Habe mir dann halt Calamares bestellt, die leider aber auch echt nicht gut waren. Macht nichts, ist gut für die Hüften. Ich bin dann noch eine Weile in Freo (so nennt man hier Freemantle liebevoll) herum geschlendert und habe dann entschieden, noch mal nach Cottesloe an den Strand zu fahren.

Hier bin ich einfach nur am Strand rum gelaufen, habe meine Füße nass gemacht (und leider auch meine Hosenbeine, obwohl ich sie schon bis über die Knie hoch gekrempelt hatte) und habe mir den Sonnenuntergang angeschaut. Zurück zur Bahnstation, wo ich zwei junge Deutsche kennen gelernt habe: Luke aus Hildesheim und Didi aus Sachsen. Die beiden sind seit fast einem Jahr hier und müssen bald das Land verlassen. Sie werden dann noch eine ganze Weile durch Asien reisen, bevor sie wieder nach Deutschland kommen. Das Geld dafür haben sie zum einen, weil man hier echt einen A**** voll Geld verdient (17,50 € je Stunde als Spendensammler für Amnesty International!!!!!!!!! WAS?!?!), zum andere, weil sie sich keine Lebensmittel kaufen. Nein, sie gehen zweimal die Woche nach Ladenschluss zu einem großen Supermarkt und klauen aus der Mülltonne die noch abgepackten Lebensmittel, die der Supermarkt wegwirft, weil das Verfallsdatum bald oder an dem Tag abgelaufen ist. Als sie mich einladen, mit zu ihnen nach Hause zu kommen auf ein Bier und was zu essen lehne ich nur dankend ab.

Zurück in meiner Unterkunft hier habe ich nach Hotels in Hong Kong gesucht – teures Pflaster! Gleich werde ich mal anfangen zu packen, denn morgen geht es ja schon weiter nach Melbourne. Ich freue mich drauf, was Neues zu sehen. Und ich hoffe wirklich innständig, dass ich ein ruhigeres Zimmer habe, damit ich endlich einmal wieder eine Nacht richtig schlafen kann…

Samstag, 10.09.2011

Gestern habe ich nicht viel gemacht. Ich bin morgens einfach nicht in die Pötte gekommen… Ich bin dann einfach ein bisschen in der Stadt rum gelaufen, war in der Perth Mint (Edelmetallverarbeitung) und habe da an einer Führung teil genommen und habe zusehen dürfen, wie ein Goldbaren gegossen wurde. War schon mal interessant, das mitzuerleben.

Am späten Nachmittag war ich dann wieder in der Lodge, weil um 16.30 Uhr das Eröffnungsspiel des Rugby World Cups starten sollte. Ich hatte mit Mike (einem aus Neuseeland, der hier auch wohnt) ausgemacht, dass wir das Spiel zusammen anschauen. Die erste Halbzeit haben wir hier in der Lodge geschaut, danach sind wir in ein Irish Pub auf der anderen Straßenseite und haben da die zweite Halbzeit angeschaut. Irgendwie habe ich da ziemlich viel Bier getrunken und hatte den Tag über kaum etwas gegessen. Mike und ich haben da David aus Tasmanien kennen gelernt, der schon ziemlich betrunken war und ständig Biernachschub gekauft hat. Lange Rede, wenig Sinn: ich war vollkommen betrunken. Wir sind später noch in eine Karaoke-Bar, weil ich wohl irgendwann im Irish Pub gesagt habe, dass ich Karaoke singen will. Ich habe dann wohl auch gesungen, will aber gar nicht wissen, wie schlecht, so voll wie ich war. Mike sagt, wir waren gegen halb 11 wieder hier. Das waren mal erfolgreiche 6 Stunden (wenn man zu hohen Alkoholkonsum als „Erfolg“ werten will).

Heute ging es mir dann so richtig dreckig! Aber so richtig! Ich musste heute aus meinem Zimmer raus, in dem ich bisher geschlafen habe und in ein anderes umziehen. Um 10 sollte ich aus meinem Zimmer raus, aber es hat bis nach 12 gedauert, bis ich in das andere rein konnte. Und dabei wollte ich doch nur zurück ins Bett (egal, welches). Ich habe die Zeit damit überbrückt, noch mal eine Maschine Wäsche zu waschen. Und habe während der Zeit echt abgebaut. Als das Zimmer endlich fertig war habe ich mich eine Stunde hingelegt. Ich dachte, das reicht, um wieder auf die Beine zu kommen. Ich habe mir dann ein paar Nudeln gekocht. Ich dachte: essen hilft hier bestimmt. Tat es nicht. Ich habe kaum etwas essen können und habe mich stattdessen lieber wieder hingelegt.

Gegen halb 5 bin ich dann wieder aufgestanden und habe mich tatsächlich dazu durchringen können, einen kleinen Spaziergang zu machen. Obwohl ich wahrscheinlich in einem Tempo unterwegs war, das Schnecken Konkurrenz gemacht hat tat es ganz gut. Nicht, dass es mir jetzt besser geht, aber ich war wenigstens mal draußen. Seither habe ich mich um meinen Rückflug gekümmert und die Unterkünfte bis dahin. Leider ist in meinem geliebten B&B in Sydney nichts mehr frei. Sehr schade, da wäre ich gerne noch mal hin. Ich habe bei anderen B&Bs Anfragen gestellt – mal schauen, was dabei so raus kommt. Am 22.09. werde ich dann von Sydney nach Hong Kong fliegen und am 26.09. zurück nach Frankfurt. Ich freu mich drauf! So sehr… und an Tagen wie heute, wenn’s einem nicht gut geht (jetzt mal abgesehen davon, warum) noch mal mehr! Morgen will ich endlich nach Freemantle raus fahren. Daher geht’s jetzt gleich ins Bett und morgen früh raus.

Donnerstag, 08.09.2011

Heute bin ich relativ zeitig aufgestanden und habe mich zu Fuß auf den Weg zum King’s Park gemacht. Mit knapp über 4 km² ist er größer als der Central Park in New York. Ein Teil von ihm ist angelegter Park, vor allem im Bereich des botanischen Gartens. Der Weg dorthin führte mich entlang des Swan River, wo ich beobachten konnte, wie ein Vogel mit einem Fisch im Schnabel aus dem Wasser kam und versuchte, den Fisch im Ganzen runter zu schlingen. Es sah nach einem Unternehmen aus, das einfach nicht funktionieren konnte. Der Fisch war ziemlich groß und vor allem breit und der Schnabel des Tiers sah einfach nicht aus, als könne er den Fisch fassen. Aber, nach einigen Versuchen, einigen Fluchtversuchen des Fischs und einer unglaublichen Dehnbarkeit des Schnabels des Vogels glitt der Fisch langsam die Speiseröhre runter. Man konnte genau sehen, wo er gerade war. Ein bisschen ekelhaft, aber in erster Linie ein faszinierendes Schauspiel. Übrig vom Fisch blieb nur eine Beule am unteren Hals des Vogels.

Dann ging auf den Mount Eliza hoch – insgesamt beträgt sie Strecke gut 3 km, wovon der Weg auf den Berg hoch der schlimme Part war. Als ich mich die unzähligen Stufen anfing hoch zu quälen kam mir (sie war auf dem Weg nach unten) eine Joggerin entgegen. Als ich mich weitere gefühlte 3  Stufen hochgekämpft hatte kam sie bergauf wieder an mir vorbei gejoggt (ja, hat sie denn noch alle Tassen im Schrank?). Ich 5 Stufen hoch kommt sie mir schon wieder runter entgegen… so ging das meinen gesamten Weg da hoch. Okay, ich habe ein paar mehr Stufen geschafft, bis sie wieder an mir vorbei hüpfte, aber insgesamt ist sie 5 mal an mir vorbei gekommen, bis ich es endlich nach oben geschafft hatte. Da fühlt man sich dann extrem fit. Aber ich fand’s trotzdem gut, dass ich überhaupt da hoch gelaufen bin – ich hätte genauso gut den Bus auf der anderen Straßenseite von meiner Unterkunft nehmen und hoch fahren können.

Oben angekommen bin ich ein bisschen rum gelaufen, bin dann aber erst mal zur Information, um mir eine Karte von dem Park geben zu lassen. Ich wollte mich da oben schließlich ungern verlaufen. Bei der Info gab es auch einen Imbiss und weil mein Magen mittlerweile anfing zu knurren habe ich mir dort Chicken Nuggets und Chip geholt. Die Pommes waren echt nicht gut, also habe ich kaum was davon gegessen und den Rest unauffällig in der Tonne verschwinden lassen. Nach dem Essen bin ich dann zum Kriegerdenkmal gelaufen, habe mir unterwegs eine Zigarette angezündet und das Feuerzeug in meine rechte Hosentasche gesteckt. Fünf Minuten später spürte ich auf einmal eine eisige Kälte n meinem rechten Bein in Höhe der Hosentasche. Ich griff hinein und zog mein Feuerzeug raus – die Hülle hatte einen Riss bekommen und das Flüssiggas ist mir komplett in die Tasche gelaufen. SUPER! Klar, das Gas verflüchtigt sich dann irgendwann, aber ich hatte ein ungutes Gefühl dabei, den Rest des Tages mit einer Hose rum zu laufen, die mit Flüssiggas getränkt ist. Also habe ich den Bus zu meiner Unterkunft genommen, mir eine andere Hose angezogen und bin mit dem Bus wieder hoch gefahren…

Wieder oben angekommen (es war mittlerweile schon deutlich nach 14 Uhr) bin ich dann einfach rum gelaufen, habe mir die berühmten Westaustralischen Wildblumen angesehen, die Sonne genossen… mir einfach einen Lauen gemacht. Am späten Nachmittag bin ich dann über die St.George’s Terrace wieder in Richtung meiner Unterkunft gelaufen, habe unterwegs noch beim Supermarkt ein paar Sachen eingekauft.

Hier angekommen habe ich mich erst mal dran gesetzt, eine Unterkunft in Melbourne zu finden. Das hat ziemlich genervt. Es gibt sehr viele, aber die meisten davon sind ziemlich teuer. Ich hatte aber auch keine Lust auf eine Absteige wie diese hier. Naja, am Ende habe ich eine gefunden und dann noch einen Flug von Melbourne nach Sydney für nächsten Freitag gebucht. Ich bin dann 4 Nächte in Melbourne, ich denke, das reicht. In Sydney will ich mir dann noch ein paar ruhige Tage machen. Ich habe hier nicht das Gefühl, noch groß Sightseeing machen zu müssen, sondern kann mich einfach entspannen, Urlaub machen. Ich bleibe dann in Sydney noch circa eine Woche und will dann den Heimweg antreten. Es reicht mir einfach für den Moment hier. Ich mag nicht mehr alleine rumreisen, mag mir aber auch keine Arbeit hier suchen. Ich habe entschieden, nach Hause zu kommen und es ist eine gute Sache für mich, ich fühle mich mit der Entscheidung sehr wohl! Ich habe noch keine Bestätigung von meinem Reisebüro erhalten, aber ich denke, Ende des Monats bin ich wieder in Deutschland. Es wird für mich nichts das letzte Mal in Australien gewesen sein – ich habe auf jeden Fall vor, wieder her zu kommen, dann aber unter anderen Grundvoraussetzungen und am besten nicht alleine…

 

 

Mittwoch, 07.09.2011

Heute war ein bedeutend besserer Tag als die letzten beiden. Ich habe ausgeschlafen, habe dann einen Flug nach Melbourne für Montag gebucht. Da will ich auf jeden Fall noch hin.

Am späten Vormittag habe ich mich dann auf die Socken gemacht, um nach Cottesloe zu fahren. Hier, so hatte ich gehört und gelesen, soll es einen schönen Strand geben. Ich freue mich, berichten zu können, dass das ausgesprochen wahr ist! Ein wunderschöner, endlos wirkender Strand. Von der Zugstation bis zum Strand läuft man einen knappen Kilometer. Der Weg ist mit Wasserzeichen geschmückt, die als Wegeweiser dienen. Am Rande des Strandes sind grasige Flächen, in Terrassenform aufgebaut, auf denen man sich wunderbar sonnen kann. Der Strand an sich ist schön und sauber. Ich habe meine Schuhe ausgezogen und bin Ewigkeiten einfach an der Wasserkante entlang gelaufen, habe immer wieder meine Füße in die Wellen des Indischen Ozeans gehalten. Es war traumhaft. Da ich das gerne mache habe ich angefangen Muscheln zu suchen und zu sammeln – das hat für mich etwas Meditatives. Ich habe hier eine ganz schöne Ausbeute gemacht. Gegen 14 Uhr hat mein Magen auf einmal angefangen zu knurren, also habe ich mich von der Wasserkante in Richtung Straße bewegt und in einem wunderbaren Restaurant mit Blick auf das Meer auf der Terrasse hervorragende Spaghetti mit Muscheln gegessen. Anschließend bin ich einfach weiter am Strand rumgelaufen. Es war so schön warm hier, dass ich nur im T-Shirt unterwegs sein konnte. Ich habe mir einen ganz leichten Sonnenbrand geholt – wie wundervoll!

Gegen 17 Uhr habe ich dann den Weg zurück in Richtung Stadt angetreten und war gegen 18.30 Uhr wieder in meiner Unterkunft. Ich werde jetzt mal nach einer Unterkunft in Melbourne suchen und mal schauen, worauf ich noch Lust habe.

Dienstag, 06.09.2011

Heute war kein guter Tag für mich. Zwar konnte ich meinen Trip in den Norden gegen eine Gebühr stornieren, aber der Weg dahin, die Entscheidung treffen, war echt hart. Nach mehreren Telefonaten mit meinen Eltern (die ich aus dem Bett geschmissen habe)und meiner Schwester (die ich vermutlich auch aus dem Bett geschmissen habe) habe ich aber die Entscheidung getroffen. Danach ging es mir erst mal besser, aber allzu schnell ging es wieder bergab. Allgemeines Heimweh, die Frage, warum ich diese Reise an sich überhaupt angefangen habe etc., haben mich einfach überwältigt. Ich habe wahrscheinlich in den letzten 24 Stunden mehr geweint, als in den letzten 24 Monaten zusammen. Jetzt werden sich vielleicht einige von Euch denken: warum schreibt sie das alles? Nun, es gehört halt auch dazu, zu meinen Erlebnissen und meinen Erfahrungen und somit auch zu meinem Tagebuch. Es ist alles nicht so leicht und unbeschwert, wie es sich vielleicht in meinen letzten Berichten angehört. Es gibt nicht so gute Tage… und die letzten beiden waren halt einfach so richtig bescheiden.

Am frühen Nachmittag war ich soweit, dass ich fast mein Reisebüro in Deutschland angerufen und meinen Heimflug umgebucht hätte, habe mich dann aber rechtzeitig gefangen. Ich habe stattdessen meine Unterkunft hier in Perth bis Montag verlängert, um mir bewusst Zeit zu nehmen und zu überlegen, wie es weiter gehen soll.

Nachdem ich das getan hatte habe ich einen schönen Spaziergang gemacht, entlang des Swan River, der durch Perth fließt und bin dann noch ein bisschen im CBD (Central Business District – also Innenstadt) rumgelaufen. Ich habe mich unterwegs erkundigt, wo und wann die Fähren nach Freemantle (Hafen von Perth) fahren und war bei der Touristen-Info und habe mich ein bisschen schlauer gemacht über Perth. Ich denke, morgen werde ich einfach mal zum Meer raus fahren (ca. 18 km bis nach Freemantle), vielleicht mit der Fähre hin und mit dem Zug zurück. Die Fähre ist relativ teuer, aber es soll eine schöne Fahrt sein über den dreckigen Swan River (das Wasser hier sah heute sehr braun aus). Das Meer hat ja im Allgemeinen eine ausgesprochen beruhigende Wirkung auf mich und ich denke, das werde ich morgen noch mal brauchen.

Mitterlweile bin ich seit einiger Zeit wieder in meiner Unterkunft und (nachdem ich noch mal eine Runde geweint habe – wo kommt das nur alles her?!?!) bin dann in den Hof runter um zu rauchen und kam mit einem sehr netten Englänger (aus Nordengland) ins Gespräch. Er kam nach Perth, weil er ein tolles Jobangebot hatte. Also hat er in England all sein Hab und Gut verkauft, alle Zelte abgebrochen und kam hier her. Seine Anreise war recht holprig, da sein erster Flug schon Verspätung hatte, sodass er seinen Anschlussflug in Singapur nicht mehr bekommen hat. Er war mehr oder weniger 48 Stunden auf den Beinen, bis er in Perth ankam. Als er am Flughafen sein Handy anmachte hatte er eine SMS von seinem zukünftigen Arbeitgeber drauf, dass er schnellstmöglich seine Mails checken soll. In einer Mail von ihnen stand dann, dass sie leider die Stelle streichen mussten und ihn nicht anstellen können. WOW! Da hätte ich ja mal so richtig gebrochen! Er hat relativ schnell dann eine andere Arbeit gefunden, aber er sagt, er hätte in dem Moment auch direkt auf dem Absatz umdrehen können.

Als wir da saßen und plauderten kam einer der anderen Bewohner dieser Anlage vorbei. Ein 88-jähriger gebürtiger Waliser, der seit dem Zweiten Weltkrieg in Australien lebt. Er erzählt ein bisschen wirr, aber (spätestens als ich sein Alter erfahren habe) ich habe ihn ein bisschen bewundert. Er hat Krebs, aber sagt, er hat entschieden, dass ihn das nicht umbringt (okay, wenn das so einfach ist!).

Irgendwie haben mich die beiden ein bisschen wieder aufgebaut. Nicht, dass ich nicht immer noch am liebsten jetzt im Flieger nach Hause sitzen würde, aber ich weiß jetzt, dass alles schlimmer kommen könnte und alles hätte schlimmer kommen können. Nachdem ich dann auch noch vom dem Englänger einen heißen Tipp bekommen habe, wo ich Bier kaufen kann (ich habe den halben Nachmittag Ausschau gehalten nach einem Bottle-Shop, habe aber keinen finden können) und jetzt ein Bier intus habe fühle ich mich zwar nicht gut, aber so, dass ich vielleicht schlafen kann. Vielleicht trinke ich zur Sicherheit noch eins… Und dann schauen wir mal, was der morgige Tag bringen wird…

Bilder gibt's dann morgen.

Montag, 05.09.2011

Gestern bin ich aus Adelaide her also in Perth angekommen. Am Flughafen habe ich mich in den Bus Nummer 37 geschwungen, um zu meiner Unterkunft zu gelangen. Als der Bus ankam war ich nicht schlecht überrascht, Max aus dem Zug nach Adelaide wieder zu sehen. Er war mit dem Zug bis Perth durch gefahren, hatte dort noch ein bisschen Zeit verbracht und ist dann gestern wieder nach Sydney zurück geflogen. Es war nett, ihn wieder zu sehen und ich habe versprochen, mich zu melden falls ich noch mal nach Sydney komme.

Im Bus selbst dann habe ich erst mit zwei netten älteren Herren geplaudert, die geschäftlich nach Perth gekommen sind und kam dann mit einer ausgesprochen netten Frau ins Gespräche (ich dachte, sie sei höchstens 60 – es stellte sich später raus, dass sie über 70 ist. So kann man sich irren). Gail ist in Perth, um ihren Sohn zu besuchen, der sie dann mit zu seiner Arbeit nehmen wird – er arbeitet wohl in irgendwelchen Minen. Wir haben uns wirklich sehr nett unterhalten, über Reisen im Allgemeinen, unser beider derzeitige Reise und das Leben. Sie sagte, ich muss unbedingt die Gegend südlich von Sydney kennen lernen, wo sie wohnt (Huskisson, Jervas Bay) und gab mir ihre Nummer, sodass ich sie anrufen soll falls ich es da runter schaffe – sie hätte dann auch Unterkunft für mich. Fand ich nett!

Nach ca. 30 Minuten Fahrt im Bus kam ich dann direkt gegenüber meiner Unterkunft an. Die Townsend Lodge ist eine sehr einfache Unterkunft und hier könnte so einiges mal wieder eine Renovierung brauchen. Aber es ist ziemlich sauber hier und es gibt strenge Hausregeln, die für Ruhe und Ordnung sorgen sollen. Mein Zimmer ist im oberen der beiden Stockwerke, leider zur stark befahrenen Adelaide Terrace raus, sodass ich nachts auf keinen Fall das Fenster offen lassen kann. Bei Ankunft wurde ich von Raylene begrüßt, mit der ich vorher schon per Mail Kontakt hatte. Sie ist wirklich nett und aufmerksam, aber benutzt leider nach jedem Satz „Sweety“. „Hey, Sweety, how are you, sweety… what can I do for you, sweety?“ Nervt ein bisschen, aber sonst echt nett. Ich habe dann gestern auch gar nciht mehr viel gemacht. Ich bin kurz zum Swan River runter gelaufen, der nur wenige Gehminuten entfernt ist und habe mich dann auf ins Zentrum gemacht (auch nur knapp 10 Minuten), um nach Nahrung zu suchen. Ich habe in einem netten Café ein sehr leckeres Baguette gegessen und habe dann im Supermarkt (von dem Raylene behauptet hatte, er sei sonntags geschlossen) noch ein paar Lebensmittel gekauft. Hier in der Lodge hat jedes Zimmer ein eigenes Fach im Schrank und Kühlschrank – sie ist mehr ausgelegt auf Leute, die länger bleiben, v.a. Studenten. Studenten habe ich hier allerdings bisher wenige gesehen. Dafür ziemlich viele ältere Leute, jedoch warum das so ist habe ich bisher nicht rausfinden können. Ich habe mich dann in mein Zimmer zurückgezogen und meine Berichte der letzten Tage mal endlich geschrieben, die Bilder hochgeladen etc. Dann habe ich mich ins Bett gelegt, das erste mal seit längerem ohne mir einen Wecker zu stellen.

Heute habe ich dann auch tatsächlich (mit Unterbrechungen durch Straßen- oder Hauslärm, die Türen fallen hier sehr laut zu) bis fast 10 Uhr geschlafen. Ich bin aufgestanden, habe meine zwei Maschinen Wäsche angestellt, bin duschen gegangen, habe die Wäsche in den Trockner und auf die Leine verteilt und mich dann dran gesetzt, meine Reise weiter zu planen. Das habe ich stundenlang gemacht und war irgendwann extrem frustriert. Ich dachte, es sei leichter, auf eigene Faust mit Busunternehmen und Flügen die Westküste runter und hoch zu reisen. Es ist verdammt schwierig, da die Infrastruktur hier nicht so gut ausgeprägt ist wie an der Ostküste. Und mich hier alleine selbst in ein Auto setzen kommt für mich auch nicht in Frage. Es ist weniger das Fahren auf der falschen Seite, sondern vielmehr der Respekt davor, was passieren könnte falls ich eine Reifenpanne hätte oder ein Känguru anfahren würde, was mihc davon abhält. Außerdem ist’s hier wohl nicht besonders weit her mit Navis, ich nehme an, weil es hier meist schlechten bis keinen GPS-Empfang gibt. Und da ich mich ja in der Regel zu Hause schon trotz Navi verfahre... Mit den meisten Bussen in den Südwesten braucht man Stunden über Stunden für kurze Distanzen und nach Norden hoch fahren sie unregelmäßig und halten nicht an allen, für die besten Sehenswürdigkeiten relevanten, Stationen. Ich war schon kurz davor, das Handtuch zu schmeißen und einfach einen Flug nach Melbourne oder Cairns zu buchen. Ich bin dann aber erst mal ins Zentrum, um einfach mal draußen zu sein, frische Luft zu haben und mich zu beruhigen. Außerdem hatte ich mich vorher im Internet schlau gemacht, wo das nächste STA Reisebüro ist, um zu schauen, ob sie irgendwelche Touren anbieten. Also bin ich dort hin und wurde von Debbie sehr freundlich bedient, mit wiederholten Kommentaren des (schwulen?) asiatischen Leiters der Niederlassung. Sie fand für mich eine tolle Tour von Perth bis nach Darwin hoch, mit allem, was ich an der Westküste unbedingt sehen wollte (ausgenommen dem Südwesten natürlich). Es handelt sich hierbei um eine 21-tägige Adventure Tour, bei der es auch viel um Wandern oder irgendwelche sonstigen Aktivitäten geht. Ich habe Bedenken geäußert, dass ich mich nicht fit genug fühle für eine Adventure Tour, aber der Leiter hat mich überredet, dass das alles gar nicht so schlimm ist. Nach kurzem Überlegen und einem kurzen Gespräch mit Papa habe ich entschieden, die Tour zu buchen. Ich war so froh, endlich eine Lösung und eine Perspektive zu haben und die Tour hörte sich im Katalog von STA wirklich gut an. Also habe ich gebucht und einen Großteil angezahlt (nicht die volle Summe, weil das mein Tageslimit der Kreditkarte überschritten hat). Die Tour soll am kommenden Freitag starten. Zurück in der Lodge habe ich dann noch mal auf der Webseite des Veranstalters dieser Tour geschaut, um für Euch auch den Tourverlauf zu kopieren. Auf der Seite des Veranstalters hört sich die Tour noch mal um einiges abenteuerlicher an, als im STA Katalog. Hier wird z.B. klar geschrieben, dass es sich bei den meisten Übernachtungen um wildes Campen handelst (also z.B. mit dem Spaten in den Wald und so…). Da bin ich ja gar nicht für zu haben. Außerdem schreiben die hier drastischer, dass man wirklich körperlich fit sein muss, weil man unter anderem bis zu 9 km Märsche in der Hitze zurücklegen muss. Und (das wurde bei STA nirgens erwähnt, dass man maximal 15 kg Gepäck dabie haben darf - na, also da bin ich um einiges drüber! Was habe ich mir nur dabei gedacht, die Tour einfach so zu buchen?!?! Ich glaube, das schaff ich nicht. Und selbst wenn ich mich später darüber mal ärgern werde wird morgen mein erster Gang zum STA Büro sein und zu versuchen, aus der Kiste wieder raus zu kommen. Ich würde gerne nur die Hälfte der Tour machen (bis Broome), darüber habe ich mich jetzt genauestens informiert und das wäre für mich machbar - vorausgesetzt, ich darf mein komplettes Gepäck mitnehmen. Ich hoffe, dass ich das abändern kann. Falls nicht muss ich da dann wohl durch… mal schauen! Also, alles in allem war heute nicht mein Tag und ich hatte schreckliches Heimweh und würde auch jetzt am liebsten einfach einen Flug nach Hause nehmen. Ich denke, so ist das dann halt, vor allem wenn nicht alles glatt läuft. Geht wieder vorbei! Kommt morgen, kommt Rat.

Von Perth habe ich bisher außer der Einkaufstraße im Zentrum nicht viel bis gar nichts gesehen, daher kann ich hierzu kaum was sagen. Aber die Einkaufstraße ist sehr schön! J Es gibt auch noch kein einziges Bild, was ich hier in Perth gemacht habe. Morgen dann mehr zu Perth und meinem weiteren Reiseverlauf. Hoffentlich!


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