Sonntag, 28.08.2011

Mein letzter Tag in Sydney… und was für ein schöner! Wie schon an den letzten Tagen war das Wetter ausgezeichnet. Ich bin ein bisschen später aufgestanden heute, erst um 9. Bin dann auf in Richtung Bronte Beach, von dem Mary J sagte, er sei auch sehr schön – Recht hat sie. Ganz ursprünglich hatte ich vor, von Coogee nach Bondi zu laufen – da gibt es einen tollen Weg direkt am Meer entlang. Mary J sagte aber, dass das verdammt weit sei und hat mir ans Herz gelegt, doch einfach von Bronte nach Bondi zu laufen. Das habe ich dann auch gemacht. Die Strecke ist nur 3 km lang und wirklich wunderschön. Ich hätte auch die lange Tour machen können bei diesem Wetter. Man kommt vom Bronte Beach weiter zum Tamarama Beach (sehr schön) und dann schon nach Bondi. Dieser Spaziergang hat sich auf jeden Fall gelohnt (ich lasse hier lieber die Bilder weiter sprechen – das kann man in Worten kaum ausdrücken).

In Bondi habe ich bei einem Italiener leckere Ravioli gegessen und bin dann am Strand lang gelaufen, habe meine Fußspitzen noch mal in den Pazifik gehalten. Ein schönes Gefühl ist das! Anschließend bin ich dann noch mal zur Bondi Junction. Eine Jeans reicht mir hier einfach nicht – ich fühle mich in dieser Art Hosen halt doch am wohlsten. (Die Jenas hat übrigens so viel gekostet wie meine Handtasche – man bekommt hier auch Levi’s für echt wenig Geld. Verqueres Land!)

Von der Bondi Junction hat es mich zu einem letzten Blick zur Oper und der Harbour Bridge gezogen. Die Sonne war gerade am untergehen und es war eine tolle Stimmung da. Ich habe dort gesessen, bis es dunkel war und bin dann zurück ins B&B, um meinen Bericht zu schreiben und mit dem Packen anzufangen. Morgen früh fliegen Peter und Mary J nach Melbourne, um eine Ausstellung anzuschauen. Daher muss ich früh frühstücken. Ich kann aber glücklicherweise noch im Haus bleiben solange ich will. Dann kann ich morgen in Ruhe fertig packen und werde mich dann irgendwann auf den Weg zum Bahnhof machen und in die Blue Mountains fahren (da kam mir heute das Lied aus alten Zeiten in den Kopf und ist seitdem nicht mehr raus zu kriegen: „Von den blauen Bergen kommen wir…“).

Meine zwei Wochen in Sydney sind vergangen wie nichts! (Da habe ich heute einen coolen Spruch gelesen: „Time’s flying by when you don’t know what you’re doing!“) Eine ganz, ganz tolle Stadt, von der ich viel gesehen habe, aber leider längst noch nicht alles. Klar hätte ich meiner Zeit hier mehr machen können – aber dann wäre der Erholungsfaktor, glaube ich, auf der Strecke geblieben. Ich muss dann halt einfach noch mal her kommen, bevor ich das Land wieder verlasse! J Ich freue mich auf jeden Fall auf das, was jetzt weiter kommt, auf die Blue Mountains, Adelaide, Kangaroo Island, Perth…

Nachsatz zum gestrigen Abend… Mir wurde immer wieder von vielen Leuten versichert: „Du lernst in Australien super-schnell Leute kennen. Geh einfach in ein Pub und wenn die jemanden alleine rumstehen sehen, dann sprechen die einen an.“ Okay, ich stand gestern über eine Stunde im Pub, habe Bier getrunken, die Leute freundlich und vielleicht ein bisschen Kontaktsuchend angelächelt, aber es hat mich niemand angesprochen. Gibt es da irgendwelche Tricks? Oder ist das ein Vorrecht der Schlanken und Schönen, dass sie angesprochen werden? Falls da jemand Tipps für mich hat: bitte immer her damit!

Nachtrag zum Bondi Beach: Eine Frau sprach mich in sehr gebrochenem Englisch an, wie viel Uhr es sei während ich auf einer Bank saß. Ich gab ihr Auskunft, sie setzte sich neben mich und wir plauderten ein bisschen über das Wetter. Da fragt sie mich ohne Vorwarnung, ob ich schwanger sei. Sie ist ja nicht die erste, die das denkt – stört mich aber natürlich trotzdem. Ich sagte nur „No, I’m just fat. Have a nice day!“ und bin gegangen. Brauchte ich ja gar nicht sowas, vor allem von einer Wildfremden und nach meinem einsamen Pub-Besuch gestern. L So kann einem eine einzelne Person einen eigentlich traumhaft schönen Tag dann doch auch ein bisschen madig machen… (aber nur ein bisschen – hatte danach Sand zwischen den Zehen und pazifisches Wasser an den Füßen, das versöhnt mit so einigem!)

Samstag, 27.08.2011

Heute war hier in Paddington Markt, wo ich natürlich hin bin. Man kann hier Kunstwerke, Schmuck, Klamotten, Accessoires aller Art und sonstiges erstehen – ein schöner Markt, auf dem sich viele junge Talente präsentieren. Als ich so über den Markt schlenderte viel mir auf, dass es einen wichtigen Stadtteil von Sydney gab, den ich noch nicht so wirklich erkundet habe und somit stand mein Tagesprogramm fest: durch Paddington laufen. Ich glaube,e s war die ganze Zeit über einfach zu nah. J Ein wirklich besonders schöner Stadtteil mit ausgesprochen schönen Häusern, Läden und Kneipen. Falls ich mal in die Verlegenheit geraten sollte nach Sydney zu ziehen, dann würde ich bestimmt versuchen in Paddington zu landen. Und so stromerte ich also den ganzen Tag einfach nur so rum, machte mal Rast in einem der Cafés, schlenderte weiter. Später bin ich noch mal zur Bondi Junction, weil ich ein paar Sachen besorgen wollte und anschließend habe ich noch einen Spaziergang durch den Centennial Park gemacht (Sydneys größter Park mit fast 400 Hektar). Das war’s eigentlich für heute – nichts besonders spannendes erlebt, aber ein schöner Tag. Gleich will ich noch ins Pub gehen das Rugby Spiel schauen. Ein kurzer Bericht mal heute… J

Freitag, 26.08.2011

Erste Station heute waren die Hyde Park Barracks (von Sträflingen für Sträflinge gebaut, um Sträflinge zu inhaftieren – wow!), die zuerst Gefängnis bzw. Arbeitslager  waren, dann Immigranten-Auffangstation, dann Gerichtshof und jetzt Museum seiner selbst. Hier werden die verschiedenen Stadien in verschiedenen Räumen gezeigt, ziemlich interessant. Ein ungewöhnliches Tier wird hier auch gefeiert: die Ratte. Es gab hier unendlich viele Ratten, die zu ihrem Nestbau Stoffstücke und kleinere Kleidungsstücke verwendet haben. Dadurch hat das Museum eine ausgesprochen große Sammlung an Stoffen aus den ersten Tagen der Kolonie.

Weiter ging’s über die Macquarie Street in Richtung Oper. Die M. Street ist ziemlich lang und war eine der ersten Straßen in Sydney – hier findet man meiner Meinung nach den interessantesten Architektur-Mix (wenige Häuser aus der Gründerzeit und im viktorianischen Stil, die den „Developern“ nicht zum Opfer gefallen sind mitten zwischen neuzeitlichen Hochhäusern). Die Oper sah heute bei dem tollen Sonnenschein besonders schön aus. Ich konnte mich aber los reißen und bin weiter in Richtung „The Rocks“, weil ich gerne zur Sternwarte wollte. Dort gibt es eine sehr schöne, interessante und interaktive Ausstellung. Dann weiter durch das Viertel „The Rocks“ durch, zum Susannah Place Museum, in dem vier Häuser, die seit Anbeginn in der Gegend standen „gerettet“ wurden und in denen man die Einrichtung über die verschiedenen Zeitalter (1800hastenichtgesehen bis 1900paarund70) bestaunen kann – ein bisschen wie Hessenpark in 4 Häuser gequetscht. Geführt wurden ich und noch zwei weitere Besucher von einer ausgesprochen netten Frau, die in der Sache wirklich aufging und die uns einen tollen Überblick über das gesamte Viertel und dessen Veränderungen im Wandel der Zeiten gegeben hat. Ich wusste z.B. bis dahin nicht, dass „The Rocks“ hauptsächlich staatliche Sozialwohnungen waren und sind – in den Reiseführern hört sich das immer wie ein extrem hippes Viertel an, in dem man 9000€ für den Quadratmeter zahlt (wird es aber bestimmt noch). In einem der Häuser stand ein Klavier aus dem frühen 20. Jahrhundert, ein wunderbares Instrument aus Leipzig! Da hab ich dann mal kurzdrauf klimpern dürfen.

Danach bin ich noch ein bisschen rum geschlendert, aber sonst nicht mehr viel gemacht. Ich will heute mal früh ins Bett. Ich hab in der letzten Nacht nicht so gut geschlafen und hab mich außerdem ein bisschen erkältet (ob es an den Klimaanlagen im Bus liegt, die auf volle Pulle pusten, sobald es mehr als 10 Grad sind?). In diesem Sinne…

Donnerstag, 25.08.2011

Was ich gestern an finanziellem Glück hatte musste ich heute teuer bezahlen… Mein Tag fing damit an, dass, als ich vom Frühstückstisch aufstand, mein linker Flip-Flop riss. Ja, sie waren nicht mehr die neuesten, aber ich mochte sie besonders gerne, weil sie einen Steg aus festem Stoff und nicht Gummi hatten (die sind nicht so leicht zu finden) und mir das einfach bequemer ist. Okay, dachte ich, dann fahre ich mal in die Stadt und schaue nach neuen, falls ich an ein paar Läden vorbei komme. Also fuhr ich in die Stadt. Auf meinem Programm stand heute, mal durch „The Rocks durch zu schlendern und nicht nur vorbei, so wie gestern, und dann zum Observatorium zu gehen. Am Hyde Park Ecke Liverpool Street stiegt ich also aus, blieb aber mit meiner Handtasche unglücklich hängen und konnte sie gerade noch auffangen, bevor sie auf den Gehweg plumpste – Umhänge-Gurt gerissen! Meine schöne, treue Esprit Leder-Handtasche, die mir schon so lange gute Dienste geleistet hatte und die ich so sehr mochte, weil sie einfach extrem praktisch war für Stadtbummel. Ich muss sie in den letzten beiden Wochen etwas überanstrengt haben (schließlich war sie auch nicht mehr die Jüngste) mit zu viel Gewicht. Ich hatte gesehen, dass sich ein Faden angefangen hatte zu lösen und dass der Gurt ein bisschen angewetzt war, aber dass ihr das ein so schnelles Ende bereiten würde hatte ich nicht erwartet. Also musste ich nun wirklich erst mal shoppen gehen, denn die Tasche die ganze Zeit über in der Hand halten war nicht drinnen. Shoppen ist ja nun so gar nicht meins. Ein- bis zweimal im Jahr habe ich einen glücklichen Tag, an dem es mir Spaß macht und ich Unmengen an Zeug finde – so ein Tag war heute auf jeden Fall nicht! Erst war ich in der Victoria Gallery (unendlich viele und auch viele teure Shops), dann in ein paar Läden auf der George Street und in diversen Kaufhäusern (wie bei und Karstadt o.ä.). Ich hätte nie gedacht, dass es in Sydney für mich so schwer sein würde, eine praktische, schöne und bezahlbare Handtasche zu kaufen. Klar, praktische und schöne gab es viele und mit meinem sicheren Händchen für die teuersten griff ich auch im Kaufhaus direkt nach welchem für 400 Dollar aufwärts. Vielleicht war das alles auch einfach nur unter dem Fluch des „ich-brauche-was-und suche-was-bestimmtes-Phänomen“, was so ähnlich gut funktioniert wie Murphy’s Gesetz. Wenn Du etwas kaufen musst und was Bestimmtes suchst (klar, ich wollte wieder eine Tasche wie meine) findest Du es bestimmt nicht. Im Kaufhaus Myer wurde ich dann aber doch noch fündig und erstand für 70 Dollar eine Tasche, die zwar von innen mit grotten-hässlichem Leoparden-Muster ausgestattet ist, aber von außen okay aussieht, recht praktisch ist und vor allem im untersten Preis-Segment lag. Katastrophal teuer dieses Land! Noch ein paar Beispiele, wie teuer (in Klammern, was man in Deutschland bezahlt): Lonely Planet Australien: 49 Dollar (24,99€), 20 Zigaretten: 12,50-16 Dollar (ca. 5,50 € - und ja, hier gibt es wie in England keine einheitlichen Zigaretten-Preise – immer wieder gern genommen), 2GB SD-Karte: 25 Dollar (8,-€), 1kg Äpfel 7-10 Dollar (3,-€?)… Der Wechselkurs steht heute ist 1 Dollar = 0,73 €… Viel Spaß beim Rechnen!

Aber  gut, nachdem ich die Tasche dann 1,5 Stunden nach meiner Ankunft in der Stadt hatte musste ich erst mal Rast machen – einkaufen stresst mich einfach ungemein. Ich bin zum Darling Harbour runter gelaufen, habe in dem herrlichen Sonnenschein gesessen, die 22 Grad Wärme genossen und Leute geguckt (mache ich ja besonders gern). Anschließend bin ich mit der Fähre in Richtung Circular Quay gefahren – eine wirklich schöne Strecke mit dem Schiff, bei der man mal von der anderen Seite an Brücke und Oper ran kommt. Am Circular Quay habe ich dann überlegt, ob ich überhaupt noch Lust auf Sightseeing habe und mich für NEIN entschieden. Eswar immerhin schon 15 Uhr durch. Also habe ich mich vor dem Starbucks in die Sonne gesetzt, noch ein paar Postkarten geschrieben und noch ein paar Leute geguckt… Von da aus bin ich dann noch mal zum Bondi Beach raus gefahren. Leider habe ich mich in dem Weg bis dahin verschätzt und die Sonne war schon größtenteils vom Strand weg. Macht nichts, war trotzdem schön da. Von dort aus bin ich dann zur Bondi Junction gefahren (ich hatte ja schließlich noch keine neuen Flip-Flops) und durch den Shopping Tempel geschlendert, ganz gelassen mit der Gewissheit, dass es kein Drama ist, wenn ich heute keine Flip-Flops finde. Das war dann entspannt! Ich habe auch relativ schnell dann welche gefunden… außerdem 20 Handtaschen, die ich lieber gehabt hätte als die, die ich nun umhängen hatte – es ist doch immer so! In einem der Obergeschosse gibt es auch einen Futter-Tempel mit allen möglichen Essensarten (einzelne Stände, mit verschiedenen Spezialitäten), wo ich mir dann lecker Sushi geholt habe. Das war ein Tag… nicht viel gemacht, aber fix und fertig.

Mittwoch, 24.08.2011

Ein wunderschöner Frühlingstag in Sydney… Ich bin heute früh aufgebrochen in Richtung Hyde Park, bin dann durch diesen und den nächsten Park geschlendert. Als ich zur Art Gallery of New South Wales kam habe ich beschlossen rein zu gehen. Hier wurde jedoch ein „service“ abgehalten – eine Art Gottesdienst. Worum es dabei ging habe ich leider nicht erfahren, dafür kam ich allerdings kostenlos in das Museum – die Kasse befand sich in dem Bereich, wo dieser „Servie“ stattfand, also haben sie alle kostenlos in die unteren Geschosse des Museums geschleust! (juhu, Geld gespart) Interessanterweise hatten sie dort eine Sonderausstellung zum Thema „Kunst in Deutschland von 1910-1937“ (Dadaismus, Bauhaus etc.) und eine gute noch obendrein. Von Werken von Schlemmer, Klee, Kandisky, Beckmann und anderen großen Namen über diverse Möbel aus dem Bauhaus-Stil und fotografischer Dokumentation. Eine wirklich gute Ausstellung. Außerdem haben sie in dem Museum zeitgenössische australische Kunst, eingeschlossen indigener – durchaus interessant mal anzuschauen, aber mit moderner Kunst kann ich ja ungefähr so viel anfangen wie mir Tennis… Die Ausstellung der indigenen Künstler hatte mich eigentlich besonders interessiert, aber da waren in dem Raum so viele Schulklassen (ich meine, ist ja toll, dass sie darüber etwas lernen und es waren hauptsächlich weiße Kinder, also umso besser!), die so viel Lärm gemacht haben, dass es für mich nicht auszuhalten war. Ich bin in Ausstellungen nicht der typische Museumsbesucher – wenn mir etwas gefällt bleibe ich stehen, ansonsten gehe ich recht zügig durch Ausstellungen durch (ich weigere mich innerlich, bei etwas stehen zu bleiben, das ich persönlich nicht ansprechend finde, nur weil dran steht es ist Kunst). Aber eine Sache mag ich in Museen: die Stille. Da die da nicht gegeben war (eher ins andere Extrem umgeschlagen war) musste ich da zügig durch, habe mich dann ein bisschen im Museumscafé erholt und habe noch die Kunst des 19. Und 20. Jahrhunderts mitgenommen – wunderbare Bilder und Skulpturen von all meinen Lieblings-Impressionisten sind hier vertreten.

Nach dem Museum bin ich dann weiter in den Botanischen Garten – eine riesige Anlage! Und wirklich schön. Ich bin dort einfach rumgelaufen, habe mich nach keinem Plan gerichtet, sondern bin mehr oder weniger der Nase nach gelaufen. Ich kam vorbei an hunderten Baumarten, Farnen, Plamen, Blumen, Sträuchern… und dann auf einmal hörte ich komische Laute von oben. Flughunde – und zwar hunderte von Ihnen – hingen von den Bäumen, unter denen ich mich bewegte. Und an vielen Bäumen, unter denen ich auf meinem weiteren Weg vorbei kam. Ein toller und vor allem unerwarteter Anblick für mich. Einen Zwischenstopp habe ich eingelegt im Garten-Café. Eine traurige Institution, weil sie eigentlich das Potential hat, bei der Lage, das beliebteste Café in ganz Sydney zu sein, dies aber nicht nutzt. Stattdessen haben sie da alte Möbel, extrem langsames Personal und nicht besonders gutes Essen – schade! Bei sowas würde ich ja immer am liebsten mir den Manager bei Seite ziehen und ihm mal erzählen, was er alles besser machen sollte (so ein bisschen wie „Rach’s Restaurant“ oder „Die Küchenchefs“ oder wie auch immer diese „Restaurant-Retter“ alle heißen). Ich konnte mich zügeln und lief lieber weiter zu „Mrs. Macquareis Point“, von wo aus man einen wunderbaren Blick auf Oper und Harbour Bridge hat und was auch einfach eine wunderbare Spazierstrecke ist (also für mich, viele Sydneysider nutzen sie verschwenderisch zum Joggen). Dort habe ich mich auf einer Bank niedergelassen, den Ausblick genossen und in meinem Buch gelesen (da muss ich übrigens morgen mal schauen, dass ich ein neues kaufen kann, denn die letzten Seiten von dem hier lese ich gleich noch), bin dann nach einiger Zeit weiter gezogen auf eine 500 m entfernte Bank und habe wieder einfach in der Sonne gesessen und gelesen – oh, dolce vita! Am Wasser dann weiter entlang bis zur Oper und zum Circualr Quay. Da habe ich mich ausnahmsweise mal bei Starbucks niedergelassen und Postkarten geschrieben (da ich nur noch 4 Tage hier haben werde wird das langsam Zeit). Als es anfing dämmrig zu werden ging ich weiter Richtung „The Rocks“, ließ das aber links liegen und ging zur Harbour Bridge. Ich ging nicht hoch – schon allein das drunter stehen fand ich beängstigend. Umso mehr bewunderte ich mal wieder die vielen Verrückten, die meinen sie müssten ganz oben drüber laufen. Ich bin dann noch ein bisschen rum gelaufen, zurück zum Circular Quay und ab nach Paddington. Hier habe ich entschieden, im Paddington Arms (da war ich neulich schon) noch was zu essen und ein-zwei Bierchen zu trinken. Ich ging also rein und bestellt mir ein Rumpsteak (mir war heute nach der vielen Lauferei und Fischluft nach Fleisch), dazu ein Bier und eine Cola (weil ich hatte so schlimmen Durst und so großen Hunger, dass ich Angst hatte gleich besoffen zu sein, wenn ich direkt aus Durst ein Bier runter schütte). „Wir haben heute Toss the Boss“ sagte der nette Barmann. Ich „Was ist das?“. Er erklärte mir, dass er eine Münze wirft, ich sage an ob Kopf oder Zahl und wenn ich richtig liege bekomme ich mein Essen gratis. Großartig! Da haben die sich mal was einfallen lassen – ich meine, das kann zwar Geschäftsschädigend sein, wenn zu viele richtig liegen, aber vielleicht kommen dadurch auch mehr Leute und lassen mehr Geld an Getränken da – so wie ich. Ich wählte also „Kopf“ und gewann (JUHU! Ich hätte heute vielleicht Lotto spielen sollen… Naja, immerhin habe ich fast 30 Dollar gespart durch Museum und das Essen). Ich verzog mich in den hinteren Teil des Pubs, da vorne alles voll war. Da saß zwar fast niemand, aber dafür hatte sich eine Band zum Spielen bereit gemacht. Die waren richtig gut. Sie spielten, wie sie es nannten „Gipsy Jazz“. Ich saß da, habe weiter Postkarten geschrieben, Buch gelesen, gegessen, mein Bier getrunken und der Musik gelauscht – es war wunderbar. Nach jedem Lied habe ich brav geklatscht, nicht nur weil ich direkt in ihrem Blickfeld saß, sondern weil es mir wirklich gefiel. In der Pause kam dann einer von ihnen zu mir und hat ein Gespräch angefangen zum Thema Postkarten schreiben, in der nächsten Pause (ich hatte mir noch ein Bier geholt) kam ein anderer von der Band, in der dritten Pause habe ich mich mit dem ersten über Australien, meine Reisepläne etc. unterhalten, es war wirklich nett! Nach 3 Bier bin ich dann aber doch gegangen (ein Bier hat hier schließlich 0,423 l, geschätzt – ich glaube, es ist kein englisches Pint, aber kommt nah dran). Ein bisschen angetrunken und sau-müde wollte ich nun wenigsten noch den Bericht schreiben. Bilder von gestern und heute sowie die Oper-Review dann morgen…

Dienstag, 23.08.2011

Nach einem für mich frühen Frühstück um 8 Uhr habe ich das Haus auf der Jagd nach einem Waschsalon verlassen. Ich erinnerte mich plötzlich daran, weiter in Richtung Bondi Beach (also über die Bondi Junction hinaus) etwas gesehen zu haben. Und siehe da… dort wimmelt es ja nur so von Waschsalons (gleich zwei gegenüber von einander). Und ich bin mir sicher, der, an den ich mich eigentlich erinnert hatte war die Straße weiter runter, nicht mehr als 500 Meter. Also habe ich meine zwei Maschinen rein geworfen und bin auf der andere Straßenseite in ein sehr nettes Café und habe einen Tee getrunken. Eine Stunde später wieder rüber, die Sachen aussortieren, die nicht in den Trockner können und den Rest rein schmeißen und wieder in das nette Café. Noch mal eine Stunde später die Sachen wieder holen, 17 Dollar bezahlen und zurück zum B&B – so kann man halt auch mal seinen Vormittag verbringen. Als ich aus dem Waschalon raus kam fing es gerade an zu regnen und somit stand auch mein weiteres Tagesprogramm fest: Museum. Im B&B habe ich dann alles noch schön zusammengelegt und mich auf die Socken gemacht zum Australian Museum (naturhistorisches Museum). Am Hyde Park bin ich aus dem Bus ausgestiegen, habe mir das ANZAC Memorial (Denkmal für den Australian and New Zealand Army Corps, bzw, diejenigen, die im Ersten Weltkrieg gedient haben) von außen und innen mal näher betrachtet. Es ist nicht besonders berauschend, aber in der Kuppel sind 120.000 Sterne an der Decke, einen für jeden Mann und jede Frau, die gedient haben. Das fand ich nett. Weiter durch den Hyde Park (wo jetzt alle möglichen Frühlingsblumen gepflanzt wurden – bisschen merkwürdig, wenn man vor Kurzem erst aus dem „Sommer“ her kam, aber sehr schön) also zum Australian Museum. Es ist ein wenig verwirrend aufgebaut, aber eigentlich ganz cool. Im Untergeschoss kann man Skelette aller Art bestaunen (Wale, Elefanten, Menschen…), im zweiten Stock gibt es dann die größte Ausstellung an Mineralien, die ich je gesehen habe. Und, wer hätte es gedacht (also, ich nicht!): das war richtig interessant und ich habe mich Ewigkeiten mit den verschiedenen Funkelsteinchen aufgehalten. Da bin ich dann halt doch auch nur eine Elster – es funkelt, ich schaue hin. Und was man aus all den Steinchen für schönen Schmuck hätte machen können! Im dritten Geschoss gibt es dann Dinosaurier, das wilde Australien (also alles, was ich gestern im Zoo lebendig gesehen haben noch mal in Ausgestopft), das ausgestorbene Australien und die vom Aussterben bedrohten Tiere. Das ist schon krass, es gibt Arten, wie z.B. den tasmanischen Tiger, die in den 1930ern das letzte Mal gesehen wurden und dann für immer verschwunden sind. Und andere Arten, von denen man glaubte, sie seien seit Millionen von Jahren ausgestorben, die auf einmal in Australien auftauchen (z.B. eine urzeitliche Ameise, deren Namen ich schon wieder vergessen habe). Außerdem gibt es oben noch eine Kinder-Zone und einen Entdecker-Raum, in dem man anfassen, selbst untersuchen und nachlesen kann – schön gemacht. Im Erdgeschoss (da geht man zuletzt hin) gibt es dann noch eine Ausstellung zu den Aborigines. Sie ist eigentlich recht groß, eigentlich recht informativ und eigentlich nicht schlecht. Aber die Informationen, die man bekommt sind schlecht sortiert, es ist alles ein bisschen lieblos gemacht und die vielen audio-visuellen Beiträge überlagern sich ständig gegenseitig, sodass eigentlich nur ein unangenehmer Brei an Geräuschen entsteht, ohne dass man sich auf etwas konzentrieren kann. Fand ich schade!

Aus dem Museum raus bin ich noch über die Straße zur St. Mary’s Cathedral. Sie ist wohl eine der größten Kathedralen der Welt und auch sie sieht verdammt europäisch aus – klar, hat sie doch als Vorbild Notre Dame in Paris. Sie ist zwar nicht so schön, wie ihr Vorbild, aber sie ist schön – mit Ihren Sandsteinmauern, ihrem neueren Charme, ihren Fenstern aus Birmingham (ja, das im Mutterland Großbritannien – nicht nur die Briten spinnen, sonder auch die Australier… wobei, sind ja auch Briten. Mal ehrlich, Fenstergläser einmal um die Welt schiffen für eine Kathedrale kann nicht deren Ernst gewesen sein!).

Von St.Mary’s bin ich zurück zum B&B, mich umziehen. Vorher noch ein Sandwich geholt, dass ich in der Küche unten verputzt habe. Es war wieder Enkelkinder-Tag im Haus und die Tochter von Mary J und Peter war auch da. Wir haben ein bisschen nett geplaudert - war schön. Dann aber nichts wie los zur Oper. Zum einen wollte ich natürlich nicht hin hetzen, sonder gemütlich mit einem Starbucks-Kaffee in der Hand hin schlendern und mich in der Oper drinnen umschauen, bevor es los ging. Das war mein Plan. Den fand wohl die Busgesellschaft nicht so gut. Es kam  ewig kein Bus und als dann 20 Minuten nach Fahrplan endlich einer kam fuhr er einfach weiter, obwohl 2 andere und ich ihm verzweifelt zuwinkten, dass er anhalten soll. Es kamen Busse in andere Ecken von Sydney, als die, wo ich hin wollte und da ich nicht wusste, in welche Busse ich da umsteigen müsste wartete ich lieber auf einen meiner erprobten Busse zum Circular Quay. Ich stand eine halbe Stunde da, bis dann endlich ein Bus kam, der auch anhielt. Ich war echt angefressen. Ich musste mich natürlich dann doch ein bisschen beeilen, zumal ich auch nicht wusste, wo ich mein Ticket abholen konnte. Am Ende hatte ich natürlich reichlich Zeit und habe noch was getrunken, bevor ich rein ging. Von innen ist die Sydney Oper leider nicht ganz so beeindruckend wie von außen.

Zu meinem Opernbesuch morgen mehr. Es ist spät und ich bin zu müde, weiter zu schreiben. Bilder von den 30000000000 Mineralien und verbotene Bilder vom Innenraum der Oper gibt’s dann auch morgen.

Es war ein guter Tag – vielseitig, abwechslungsreich, kurzweilig mit einem schönen Abschluss in der Oper. So viel sei noch gesagt…

Montag, 22.08.2011

Beflügelt von der Gewissheit wieder in Sydney zu sein bin ich früh aufgestanden, habe gut gefrühstückt und mich auf den Weg Richtung Circular Quay gemacht. Vorher habe ich mir in einem der unzähligen „Convenience Stores“ (ich glaube, die „convenience“ liegt hier in erster Linie darin, dass sie wirklich in einem Abstand von 50 m zu finden sind – ansonsten sind sie vollkommen überteuert) einen MyMulti Pass 1 gekauft, den ich wirklich jedem Sydney-Reisenden an dieser Stelle empfehlen will – man kann mit allen Bussen, Fähren und den innerstädtischen Zügen unbegrenzt fahren und das für läppische 41 Dollar. Hätte ich das nur früher rausgefunden – eine großartige Anschaffung! Da mein Bus irgendwie nciht bis zum Circular Quay direkt fuhr bin ich also durch die geschäftigen Straßen Sydneys dorthin gelaufen.

Mein heutiges Ziel: Taronga Zoo. Das Wetter sollte zwar nicht berauschend, aber okay sein (war es auch) und überwiegend trocken – ich dachte mir, das ist doch das richtige Wetter für einen Zoobesuch. Der Taronga Zoo liegt auf der anderen Seite des Sydney Harbour (wenn ich sowas schreibe meine ich allgemein die andere Seite der Oper und allem, was von da aus in die City geht), ist also mit der Fähre erreichbar (schon alleine hierfür rentiert sich dieser Multi-Pass, denn eine Hin- und Rückfahrt an sich kostet sonst 14 Dollar). Dort angekommen wird man direkt zu einem Bus geleitet, der zum Haupteingang des Zoos auf dem Hügel fährt – ausgesprochen angenehm. Oben angekommen stürzen sich natürlich alle gleich an die Kasse (zwei volle Busse, die vorher von einer vollen Fähre gekommen waren) – einer der Momente, an denen ich dankbar bin Raucher zu sein – bis ich fertig geraucht hatte konnte ich den menschenleeren und hübschen Haupteingang fotografieren und musste nur noch kurz an der Kasse anstehen. Für stolze 44 Dollar kommt man dann rein (ich hatte erfreulicher Weise daran gedacht, meinen 15% Gutschein aus dem „Sydney Guidebook“ raus zu nehmen, welches man bereits am Flughafen aufgedrängt bekommt – weitere Gutscheine für Museen etc. werde ich in den nächsten Tagen hoffentlich einlösen). Und ich muss sagen: es ist jeden einzelnen Dollar wert! Ein ganz, ganz toller Zoo mit tollen Informationen zu den Tieren, sehr guter Aufklärung über die Bedrohung der Tiere durch den Menschen und natürlich tollen Tieren. Ich habe mich dort 5 Stunden aufgehalten (und da ist Rauchverbot, im Zoo!) und hätte noch länger bleiben können. Von Koalas (wirklich ausgesprochen süße, aber auch langweilige Tiere), Kängurus (nicht minder langweilig), Wombats und Wallabys über Krokodile, tasmanische Teufel (die es ursprünglich mal in ganz Australien gab, die aber leider von furchtbaren Geschwüren befallen und drohen auszusterben – es gibt sie heute tatsächlich nur noch in Tasmanien) über Schlangen, Elefanten, Zebras, Giraffen, Bären, Vögel, Seehunde- und Löwen, Raubkatzen, Reptilien, nachtaktive Tierchen (lustig sind die „Glider“, die überschüssige Haut haben, die sich wie Fallschirme aufspannt, wenn sie Arme und Beine recken – die Tierchen können teilweise bis 120 m weit „gliden“. Cool!)… einfach alles, was man sich in einem Zoo wünscht und noch mehr. Nun gut, ich hätte mir vielleicht doch gewünscht, dass die Tiere etwas aktiver gewesen wären – die meisten lagen faul in der Gegend rum und machten Siesta, aber ich habe sie gesehen und das war entscheidend. Verschiedene Vorführungen (z.B. Vogelflugschau oder Seelöwen-Show ), ein Fresspalast, Kinderkarussell und interaktive Informationsstände runden das ganze ab und machen den Zoo zu einem wirklichen Erlebnis (eigentlich müsste jetzt bei meiner Werbung noch dabei stehen „…für die ganze Familie“, aber es eignet sich auch für Singles, die allein unterwegs sind. Außerdem habe ich ein paar nicht ganz jugendfreie Sachen bei den Bergziegen gesehen, die das mit dem „für die Familie“ auch wieder relativieren würde). Und zum krönenden Abschluss auch noch einen fantastische Aussicht auf den Sydney Harbour.

Nebenbemerkung:  Es hat mich ja schon immer fasziniert, dass der Mensch als solcher meint, überall da, wo Wasser ist, Geld rein schmeißen zu müssen. An manchen Stellen kann ich es verstehen und habe es auch schon selbst gemacht, z.B, an der Fontana die Trevi in Rom – wenn man dort eine Münze rein schmeißt kommt man der Legende nachwieder nach Rom zurück. Na da schmeiß ich doch gerne mal ein paar Cent rein (die dann später entweder von Bedürftigen oder den Angestellten der Stadt wieder raus gefischt werden. Aber wie es sein kann, dass in einem Zoo in die Wasserbecken von Schildkröten, Krokodilen oder Fröschen oder in Wasserläufen in einem Vogelgehege Unmengen an Münzen geworfen werden, werde ich nie verstehen!

Nachdem ich dort Ewigkeiten unterwegs war bin ich mit der Fähre zurück zum Circular Quay, habe mir da in meinem Stamm-Starbucks einen Kaffe geholt, bisschen Buch gelesen und bin dann wieder (es war schon dunkel) Richtung Paddington aufgebrochen. Unterwegs fiel mir wieder ein, dass ich dringend einen Waschsalon suchen muss! Nach fast zwei Wochen ist es endlich soweit und ich bin am Ende meiner  sauberen Wäsche angelangt (ich bin überrascht, wie gut ich damit gehaushaltet habe, dass es überhaupt so lange gereicht hat – und ich habe noch ein paar ungetragene Sachen in Petto). Also bin ich statt bei meinem B&B um die Ecke auszusteigen weiter gefahren zur Bondi Junction (einem Einkaufstempel in Richtung Bondi Beach), wo ich mir vorstellen konnte dass da evtl. ein Waschsalon sein könnte. Ich bin dort ein bisschen rum gelaufen und habe tatsächlich einen gefunden – bei dem habe ich jedoch die Befürchtung, dass meine Wäsche nachher nicht sauberer rauskommt, als sie rein gegangen ist. Ich bin dort noch eine ganze Weile rum gelaufen, habe mich umgeschaut, war im Supermarkt und bin dann doch wieder in mein B&B und habe im Internet nach einem anderen Waschsalon recherchiert. Das wird dann auch meine erste Aufgabe für morgen sein: Wäsche waschen. Ich brauche vor allem eines meiner Shirts, das etwas besser ist und das aber erst dringend gewaschen werden muss (das hatte ich in Singapur bei gefühlten 60 Grad an) – ich gehe nämlich morgen Abend in die Sydney Oper und schaue mir La Bohème an und da will ich natürlich halbwegs vernünftig aussehen. Bin schon ganz uffgereescht.

Zu meiner Kritik an „Im Land der Regenbogenschlange“ möchte ich noch kurz etwas anmerken – ich hoffe, keinem meiner ehemaligen Kollegen auf den Schlips getreten zu sein. Das Buch an sich war super und Herr Altmann hatte wirklich gute Geschichten zu erzählen. Ich glaube, es hat mich einfach nur genervt, dass er immer wieder gegen Übergewichtige und Fernsehschauer gewettert hat – da hat er ja bei mir genau die Richtige erwischt...

Je weiter ich in meinem Buch von Bryson komme, desto mehr fällt mir auf, dass er und Altmann mehr oder weniger die gleichen Geschichten erzählen, an vielen gleichen Orten waren und manche gleiche Leute getroffen haben. Klar, sie schreiben darüber in ganz unterschiedlichem Stil und meist ist ihre Auffassung vom Erlebten unterschiedlich, aber es fällt mir doch wirklich das ein oder andere auf. In einem Punkt sind sie sich jedoch beide einig: Bruce Willis Filme sind Zeugnis der Verblödung der Welt – bei Altmann kommt immer wieder „Stirb Langsam 4.0“ auf und bei Bryson wird der Action-Held zumindest am Anfang des Buches auch abfällig erwähnt. Nun mache ich mir natürlich Gedanken, weil ich Bruce Willis Filme an sich ja sehr gerne mag und die „Stirb langsam“-Filme (zumindest die ersten drei) zu meinen Lieblingsfilmen gehören. Ach, was soll’s – sollen die beiden Literaten doch reden. Ich mag’s trotzdem!

Bericht und Bilder aus Canberra findet Ihr nun im Linkmenü unter Canberra.

Freitag, 19.08.2011

Ein durch und durch widerlicher Tag! Es stürmt, es regnet, es ist kalt. Ein Wetter, bei dem man nicht den Hund raus jagen würde… nicht mal die Flöhe, die auf ihm sitzen. Den Großteil des Tages habe ich damit verbracht, meine Reise weiter zu planen – von daher hatte es für mich auch was Gutes. Da in der Nähe von Alice Springs derzeit Buschfeuer wüten habe ich entschieden, von Adelaide aus doch erst mal in den Westen zu fliegen und mich von da aus in den Norden hoch zu bewegen. Entweder wandere ich dann von Darwin aus nach Cairns und die Ostküste runter oder aber ich fahren dann quer durchs Land – mal schauen, wie sich bis dahin alles entwickelt. Im Zweifel fliege ich von irgendwo direkt zum Uluru (da gibt es tatsächlich Direktflüge, die auch noch günstiger sind als nach Alice Spring)… Mal schauen.

Da ich das Gefühl hatte, wenigstens einmal draußen gewesen sein zu müssen heute (und da ich außerdem langsam Hunger bekam) habe ich die für dieses Wetter beste Variante gewählt: ich bin zum Strand. Ich liebe es ja persönlich, bei Sturm am Strand zu sein – die Wellen peitschen nur so ans Land, meterhoch. War schön. Bis es dann auch dort wieder anfing zu regnen – dann war nur noch Weltuntergangsstimmung angesagt und ich bin wieder in meine Herberge zurück. Und war wieder einmal so unendlich froh und dankbar, eine schöne und gemütliche Unterkunft zu haben, in der man sich auch gerne aufhält. Und dankbar war ich heute besonders für meine tolle Regenjack. Heute zum ersten mal keine Bilder gemacht (wovon auch?) und der erste kürzere Bericht seit langem. Es geht früh ins Bett, weil morgen früh um 9 mein Bus nach Canberra am Hauptbahnhof startet - heißt früh aufstehen.

Donnerstag, 18.08.2011

Nach einer sehr stürmischen und regnerischen Nacht kam die Sonne heute früh für mich fast wie eine Überraschung. Es war zwar noch windig, aber kein Vergleich zu allem, was in der vergangenen Nacht gegen meine Fenster gedonnert hatte. Während des Frühstücks überlegte ich, was ich heute machen soll und entschied mich für das National Museum. Im Bus (es war nachwievor sonnig) änderte ich diese Entscheidung doch wieder ab und löste stattdessen das, mit dem Bus-Rundfahrt-Ticket erstandene Boot-Ticket nach Manly ein. Ich dachte, dann habe ich das wenigstens los und gehe danach dann noch ins Museum.

Manly ist quasi der Eingang zum Sydney Harbour und seinen Stränden (und war dadurch natürlich früher Militärstützpunkt). Die Fahrt auf dem großen Schnellboot war toll, wunderbare Aussicht auf Oper, Brück, Skyline… In Manly angekommen machte ich mich erst einmal auf zum Strand, wollte die Sonne genießen, bisschen in meinem Buch lesen. Ein schöner, langer, aber schmaler Strand mit wunderbaren Wellen und einer schönen Promenade. Dann zum nächsten Strand (Shelly Beach, sprich „Muschel-Strand“ – ein wunderbarer kleinerer Strand um die Ecke) und auch dort wieder einfach in der Sonne gesessen und gelesen. So vergingen schnell über 2 ½ Stunden. Vom Shelly Beach aus dachte ich dann, könnte ich ja mal ein Stück entlang des Weges gehen, den mir die Damen vom Visitor Center empfohlen hatten. Und schon nach wenigen Metern entlang auf den Pfaden des Sydney Harbour National Park Geländes habe ich mich geärgert, dass ich so lange mit Lesen vertrödelt hatte. Was für eine wunderbare Landschaft, eine faszinierende Fauna, ein toller Wanderweg mittendurch. Immer wieder Aussichtspunkte, sei es auf das brausende Meer oder die Stadt. Der gesamte Weg beträgt knapp 10km, ich bin vielleicht 7 davon gelaufen. Bis zum „North Head“, dem nördlichsten Punkt von Manly und einem beliebten Aussichtspunkt zur Walbeobachtung.

 Ich hätte da noch ewig rum laufen können, hätte nicht langsam die Sonne angefangen sich zu neigen. Ich musste wieder irgendwie von dem Berg runter, auf den ich da gestiegen war. Da ich Angst hatte, auf einem Weg zu gehen, bei dem ich dann irgendwann im Dunkeln stehe bin ich einfach an der wenig befahrenen Straße bergab gelaufen, bis ich irgendwann an eine Bushaltestelle kam. Leider war da der letzte Bus 1 Stunde vorher gefahren (okay, es gab da eh nur 2 Busse am Tag). Also weiter den Berg runter, langsam ein bisschen Panik aufkommen, dass ich eventuell mit meinen sowieso schon leicht blessierten Füßen doch noch die ca. Stunde zum Hafen laufen muss (ohne den Weg wirklich zu wissen, wohl gemerkt, da in den Karten die ich hatte nur die Wanderwege eingezeichnet waren). Aber ca. 2 km weiter gab es wieder eine Haltestelle und der nächste Bus sollte 15 Minuten später kommen – Glück gehabt!

Wieder am Hafen angekommen habe ich entschieden, doch noch mal kurz zum Strand rüber zu schauen, statt sofort den Rückweg nach Sydney anzutreten. Und wieder hatte ich unerwartetes Glück. Nicht nur dass sich der Himmel über dem Meer langsam rosa färbte und es ein herrlicher Anblick war. Nein, kurz nachdem ich mich an der Promenade niedergelassen hatte rief mir ein ganz aufgeregter Australier zu: „Have you seen? Over there! Whales!“ Was? Wale? Wo? Und tatsächlich, vielleicht 200-400 Meter vom Strand entfernt (ich finde es ja über Wasser noch schwieriger Entfernungen zu schätzen als sonst schon) sah ich auf einmal eine Flosse aus dem Wasser auftauchen, dann mal ein Rumpf, zwei Heckflossen – es waren also tatsächlich Wale und nicht ein einzelner verirrter Wal. Merkwürdig fand ich (und auch der aufgeregte Australier und andere Zuschauer), dass ein Mann mit seinem Kajak genau auf die Wale zu hielt. Es fuhr wirklich direkt auf die Meeresriesen zu und umkreiste sie dann auf seinem Kajak. Bs es dunkel wurde hatte ich den Verrückten im Auge und es ist nichts passiert. Entweder war er nicht so nah dran wie es aussah oder aber er war den Walen schlichtweg egal.

Nach diesen tollen Eindrücken bin ich dann noch dort in ein Pub, habe mir eine Pasta und ein Bier gegönnt (das erste Essen seit dem Frühstück um 9) und habe dann die 19 Uhr Fähre wieder zurück in die Stadt genommen. Nach so viel Wildnis und Natur erschien mir die Stadt dann etwas surreal (aber schön). J Falls es meine Zeit hier in Sydney her gibt werde ich noch mal nach Manly fahren, denn es soll einen weiteren sehr schönen Wanderweg geben.

Mittwoch, 17.08.2011

Heute nach dem Frühstück um 9.20 Uhr mit leckeren Frühstücksflocken (auch wenn sie im englischen „cereals“ heißen weigere ich mich nachwievor gegen den Begriff „Cerealien“) und Brot (wie Toastbrot, halt aber ungetoastet – wollte ich lieber so) mit hausgemachten Marmeladen (sehr lecker!) habe ich einen Bus zum Hauptbahnhof genommen, um ein Busticket bei Greyhound zu buchen für meinen anstehenden Ausflug nach Canberra am kommenden Wochenende. Das kam eigentlich hauptsächlich deshalb zustande, dass das B&B sagte „Du kannst kommen, aber am 20.08. sind wir ausgebucht, mach doch einen Ausflug“. Fand ich gut. Und da Canberra wohl ganz interessant ist, aber keine längere Reise wert habe ich mich hierfür entschieden.

Vom Hauptbahnhof aus bin ich durch Chinatown zum Darling Harbour gelaufen, habe mir unterwegs den „Chinese Friendship Garden“ angeschaut (schön angelegter chinesisch Garten, aber eigentlich – und da sind Mary J und ich uns einig: langweilig und seine 6 Dollar nicht wert) und anschließend einen Kaffee bei Starbucks gegönnt. Weiter zum Sydney Aquarium, wo ich ca. 2,5 Stunden verbracht habe. Zum einen hat es heute dauerhaft geregnet, zum anderen ist das wirklich gut gemacht und sehr beeindruckend. Außerdem müssen ja irgendwo die gefühlten 80000 Fotos herkommen. Das war auf jeden Fall seine 35 Dollar wert. Es waren auch viele Familien mit mehr oder weniger kleinen Kindern da und ständig hörte man irgendwo eine aufgeregte Kinderstimme schreien: „Mummy, look, there’s NEMO“ oder „look, there’s Dori“… Tja, was ein guter Zeichentrickfilm doch alles anrichten kann. J Aber ich bin froh berichten zu dürfen, dass auch ich Nemo gefunden habe, auch einige („Du rockst, Dude“) Schildkröten… und natürlich so unendlich viel mehr. Vom Aquarium aus bin ich noch eine Weile durch den Regen gelaufen, bis zum Circular Quay. Eigentlich wollte ich mir das Viertel „The Rocks“ ansehen, aber es hat wirklich keinen Spaß gemacht, heute bei Regen und Wind draußen zu sein. Also habe ich hier im Starbucks gesessen, mir noch einen Kaffee gegönnt und mich an die weitere Planung meiner Reise gemacht. Ich komme der Sache langsam näher und werde morgen wahrscheinlich die ersten Buchungen unternehmen.

Es ist noch früh, als ich wieder in mein B&B zurückkehre, aber bevor ich weiter in diesem Schietwetter unterwegs bin mache ich es mir lieber in meinem schönen Zimmer gemütlich und plane weiter meine Reise. Eigentlich wollte ich noch mal auf die Oxford Street in ein Pub gehen, aber während ich hier schreibe ist zu dem Regen auch noch Sturm dazu gekommen und da habe ich mal so gar keine Lust, raus zu gehen. Habe einen Apfel gegessen, das muss dann jetzt mal bis zum Frühstück ausreichen (schaden wird es meinen Hüften bestimmt nicht).

Also schreibe ich lieber noch ein bisschen. Man merkt ganz deutlich, an allen Ecken und Enden, dass Briten dieses Land hier bevölkert haben. Von den Straßen- und Ortsnamen mal ganz abgesehen. Hier gibt es die Oxford Street (auch hier eine Einkaufsmeile), den Hyde Park (bedeutend kleiner, aber auch gern besiedelt von den Sydneyanern), Newcastle (nördlich von Sydney), etc. Aber auch andere Dinge sind übergeschwappt: z.B. die strengen Feuerschutzmaßnahmen, während aber noch Heizdecken in Gebrauch sind; Schlage stehen am Bus; Futon-Betten, unglaublich große 50 Cent Münzen…

Was den Fortgang meiner Reise angeht bin ich mittlerweile auch weiter gekommen. Ich kann im Paddinton B&B drei Nächte länger bleiben als bisher geplant, also bis zum 29.08. – dann werde ich mich für 2 Nächte in die Blue Mountains aufmachen und mich am 31.08. auf die 24-stündige Zugfahrt nach Adelaide begeben. Die buche ich dann morgen mal direkt. Bin ja mal gespannt, wie die Fahrt so wird. Von Adelaide will ich dann erst mal weiter Richtung Norden – und das wird dann ab morgen weiter geplant. Jetzt erst mal Unterkunft fest machen für Blue Mountains und dann noch ein bisschen entspanntes Lesen im Buch „Im Land der Regenbogenschlange“ von Andreas Altmann, das meine lieben Kollegen mir zum Abschied geschenkt haben. Das ist recht interessant. Zwar kann man sich über den Autor und seine Einstellung, sein ständiges Meckern über die Verblödung der Gesellschaft durch Fernsehen und seine (in meiner Auffassung) leichte Arroganz zwar manchmal wundern, aber alles in allem ist das Buch sehr interessant und lustig, vor allem durch die vielen Geschichten der Menschen, die er auf seiner Reise durch das Land der Regenbogenschlange getroffen hat und über die er hier schreibt. Sei es der Aborigine, auf dessen Land Uran in zweistelligem Milliarden-Bereich existiert und der es aber nicht verkaufen will, weil ihm das Land wichtiger ist. Oder die junge Frau, die mit 11 Jahren auf einem Motorrad von zu Hause abgehauen ist und nun als ausgesprochene „Klinkenputzerin“ durch die Lande zieht. Das ist spannend.

Da ich Mary J und Peter wirklich gerne mag (nicht zuletzt, weil sie mir endlich eine gute Herberge hier in Sydney geliefert haben) möchte ich noch ein bisschen mehr über sie erzählen. Heute beim Frühstück wurde ich von Peter mit allem versorgt. Diejenigen, die mich wirklich gut und lange und von gemeinsamen Übernachtungen her kennen wissen: ich bin kein Morgen-Mensch! Ich habe einfach bis zu einer Stunde nach dem Aufwachen keinen Puls, ich brauche furchtbar lange um in die Gänge zu kommen. Ich merke das im Moment besonders an meiner Sprachbegabung, die morgens einfach nicht existiert – ich stammele und stottere mir meinen Weg durch den Vormittag. Peter versucht ein paarmal, mit mir ein Gespräch anzufangen, aber ich bin einfach nicht in der Lage. Also erzählt er irgendwann einfach: Er wuchs in Italien auf als Sohn eines Briten und einer Russin. Ich nehme an, in besseren Verhältnissen, da er erzählt, dass seine Großmutter viele der Bediensteten aus Russland mitgebracht hat. Diese floh während der Revolution und kam nach San Marino. Als Kindermädchen wurden immer junge Frauen aus einem kleinen Ort in Österreich engagiert (warum habe ich nicht so ganz verstanden), sodass Peters erste Sprach Deutsch war. Zu Hause sprach man Englisch, mit Mutter und Großmutter Russisch und natürlich auch Italienisch musste man lernen. Also absolut multilingual. Aus der Zweite Weltkrieg ausbrach musste die Familie dann nach England, auch weil die Position der Italiener in dem Krieg so lange unklar blieb. Und so kam Peter nach London, wo er weiter aufwuchs. Sein Deutsch hatte er schnell wieder verlernt, die Mutter bat die Kinder nicht mehr Deutsch zu reden, um Konflikte mit der britischen Bevölkerung zu vermeiden, die auf Deutschland entsprechend schlecht zu sprechen waren.

Ich werde versuchen, in den nächsten Tagen und Wochen ein bisschen mehr über die beiden raus zu finden, ich finde sie sind spannende Menschen. Ich bin vor allem gespannt auf die Geschichte, wie es kam dass sie nach Australien auswanderten.

Dienstag, 16.08.2011

Ich bin angekommen… angekommen im wunderbaren „Paddington B&B“ und somit auch endlich in Sydney. Mein Zimmer ist groß und sauber, freundlich und hell. Es gibt eine gescheite Bettdecke und sogar eine beheizbare (die einzige neben der der Eigentümer im Haus, habe ich mir sagen lassen). Ich muss nachts nicht mehr frieren! Ja, ich muss mir das Bad mit anderen teilen, aber das ist ein kleines Problem – ich werde mich auch hieran wieder gewöhnen. Mary J und Peter (ursprünglich aus England), die ihr Eigenheim hier in Paddington in ein B&B verwandelt haben als ihre Kinder alle ausgeflogen waren, haben dies mit sehr viel Liebe getan. Teils antike oder antik anmutende Möbel, moderne Elemente dazwischen und das alles in einem wunderbaren Haus aus der Kolonialzeit mit wunderbarem Garten, indem ein ausgesprochen schöner Magnolien-Baum gerade verblüht (die waren wohl früh dran in diesem Jahr sagt Peter). Die Hauskatze liegt den ganzen Tag im Hof vor, dem Garten hinter oder der Küche mitten im Haus. Dienstags kommen in der Regel 5 von 6 Enkelkindern (der kleinste ist für die aufgeregte Meute noch zu klein und bleibt so bei seiner Mutter) und bleiben bei den Großeltern. Das und so vieles mehr erzählt mir Mary J, als ich mit meinem Sandwich und Bier bei ihr am Küchentisch sitze (im Zimmer darf nicht gegessen werden, auch recht!). Wir sprechen über Familie, das Reisen, Australien, die Geschichte und Zukunft des Landes, die Geschichte und Gegenwart der Aborigines. Ruck-zuck vergeht über eine Stunde. Es ist schön hier.

Viel gemacht habe ich heute nicht. Hier angekommen habe ich ausgepackt (das erste Mal wirklich mal ein paar Sachen in einen Schrank gelegt – in Singapur gab es keinen und in der letzten Unterkunft hatte ich Angst, dass mein Zeug im Schrank fest wächst oder geklaut wird) und einen Spaziergang über die Oxford Street gemacht, habe eine Buskarte, eine Handykarte und die ein oder andere Postkarte gekauft. Zurück zum B&B, mobiles Internet installieren, Handykarte aktivieren und ein bisschen im Netz surfen. Ich will und muss heute in meiner Planung für die Reise weiterkommen. Es gibt einfach zu viel zu sehen, zu viele Wege das Gewünschte zu erreichen und meist zu viele Möglichkeiten, dort zu bleiben. Aber das Wetter ist schön und es zieht mich nach draußen, zieht mich wieder zu dem Ort, an dem ich gestern schon vor Freude hätte heulen können: Bondi Beach. Heute ist viel los, die Wellen sind gut für die Surfer. Hoch und gewaltig brechen sie ein. Die Nachmittagssonne steht noch hoch am Himmel. Ich hole mir einen Kaffee und stehe einfach an der Promenade und staune, schon wieder. Ich könnte hier schon wieder ewig stehen. Nach einiger Zeit zieht es mich doch wieder näher ans Wasser runter. Ich ziehe Schuhe und Socken aus und laufe auf dem kalten Sand bis nach vorne, wo die Wellen nur noch seicht über den Strand spülen. Und wieder kommen meine Füße in Berührung mit pazifischem Wasser. Wieder rauschen die Wellen in meinen Ohren. Wieder möchte ich hier für immer bleiben. Ich laufe am Strand entlang, einmal zur äußeren Ecke, Richtung Bondi North. Die Sonne sinkt langsam am Himmel, die Stimmung am Strand ändert sich schlagartig. Viele verlasen den Strand, ein paar Feierabend-Surfer joggen zum Wasser, um noch ein paar letzte Wellen mitnehmen zu können, es wird kühl. Das Licht wird ein ganz anderes, die ganze Bucht sieht anders aus, der Himmel verfärbt sich leicht. Die Luft ist vollkommen klar, man glaubt auf den Felsvorsprüngen der Bucht jeden einzelnen Stein sehen zu können und doch, wenn man an das andere Ende der Bucht schaut sieht man deutlich, dass ein leichter Schleier aus aufgewirbeltem Sand und Wasser in der Luft hängt.  Ich laufe zurück zum Aufgang Richtung Straße, kann mich aber nicht so wirklich losreißen. Ich stehe noch lange im Sand, bis meine Füße irgendwann drohen blau zu werden. Über dem brausenden Meer färben sich vereinzelte Wolken leicht rosa, ein wunderbarer Abendhimmel. Ich bin zufrieden.

Was meinen Konflikt um die weitere Reiseplanung angeht kam vorhin ein guter Tipp von meiner Mamma: „Mach’s wie die Aborigines und singe Dir Deinen Weg“ (in der Aborgine-Kultur gelten Lieder oft als „Wegbeschreibung“ – ich nehme mal an, denen ging es wie es mir geht: ich kann mir Lieder einfach gut merken, in Geographie bin ich eine echte Niete!). Aber mit den Liedern, die ich gut und textsicher singen kann (Beatles, ABBA, Whitney Houston) komme ich da wohl nicht weiter. Da schlug Mamma vor, ich soll mich bei der Liedauswahl doch einfach an australische Künstler halten: Jack Johnson oder AC/DC. Natürlich ist mir bei AC/DC als erstes „Highway to hell“ eingefallen und so haben wir den Gedanken gemeinsam wieder verworfen. Aber wie wundervoll der Gedanke an sich: sich den Weg singen. Mal schauen, ob ich für jede meiner Stationen einen passenden Song finde – das wäre doch mal eine Herausforderung!

Peter und Mary J gehen morgen früh Tennis spielen und um 10 kommt eine Putzfirma (das große Haus alleine so sauber zu halten ist zu anstrengend für das Renterpaar – finde ich vernünftig). Das heißt für mich, ich muss um 9.20 Uhr frühstücken, am besten schon fertig geduscht und alles. Da es hier jetzt schon wieder 21:45 Uhr ist, ich noch die Bilder hochladen will und unbedingt mal gut und lange schlafen muss war’s das dann auch für heute wieder mit meiner Reiseplanung. Da muss ich es mit Scarlett O’Hara halten: „Verschieben wir’s doch… auf morgen.“

Montag, 15. August 2011

Um 10.15 Uhr habe ich mich auf einen der besagten Busse geschwungen und b in zum Bondi Beach raus gefahren. Die Fahrt führte unter anderem durch Paddington, wo ich ab morgen für 9 Nächte in einem B&B untergebracht bin. Auf den ersten Blick glaube ich, dass ich mich da wohler fühlen werde als hier in der Chalmers Street.

Am Bondi Beach angekommen wusste ich endlich, warum er einer der berühmtesten Strände der Welt ist und alle, die je hier waren, davon schwärmen. Eine wunderschöne, hufeisenförmige Bucht (laut der Quäke-Stimme des Buskommentators kommt die Form wohl von vulkanischer Aktivität vor 1000 Monden) mit wunderbar weichem Strand. Die Wellen kommen, manchmal seichter, mal stärker angerollt. Um diese Jahreszeit ist wenig los und es herrscht somit eine herrliche Ruhe. Ich ziehe mir an der Promenade die  Schuhe und Socken aus und laufe barfuß über den kalten Sand bis zum Wasser runter. Pazifisches Wsser spült über meine Füße. Hier könnte man anfangen, dem Glauben der Aborigines zu folgen, dass ihre Vorfahren das Land „erträumt“ haben. Es ist schwer zu glaube, dass so ein Ort einfach aus Zufall entstanden ist – das wäre zu banal. Ich habe hier wahrscheinlich eine halbe Stunde gestanden, einfach auf das Meer raus geblickt, dem Rauschen der Wellen zugehört, die Sonne im Nacken. Hier hätte ich für immer bleiben können.

Aber ich wollte ja mein teures Ticket noch ein bisschen auskosten und bin also wieder in den Bus eingestiegen, habe mir wieder fast den Hintern abgefroren (diesmal aber darauf vorbereitet und daher nicht so schlimm) und bin dann irgendwann in der George Street ausgestiegen. Diese bin ich dann bis zum Circular Quay vor gelaufen, habe bei Starbucks einen Kaffee getrunken, in meinem Buch gelesen (unterbrochen von einer sehr netten Unterhaltung mit einem sehr netten, jungen Australier) und die Zeit einfach genossen. Mit dem letzten Hop-On Bus zurück zur Central Station, noch ein paar Besorgungen gemacht und ab ins Hotel, wo ich jetzt sitze und schreibe und vorhabe, gleich meine Reise durch dieses große, große Land weiter zu planen.

Nachtrag zu meinem so genannten Hotel: täglich kommt jemand in mein Zimmer, so viel weiß ich. Aber was machen die hier? Sauber auf jeden Fall nicht! Sie legen mir täglich neue Handtücher hin, heute haben sie auch mal die alten mitgenommen und sie leeren den Müll aus. Aber sie machen alles, wenn möglich, dreckiger als zuvor. Ich hoffe, das ist kein australischer Standard…

Sonntag, 14.08.2011

Also, das mit dem Ausschlafen hat auf jeden Fall geklappt. Nachdem ich gestern erst dachte, ich werde nie einschlafen, muss es gegen Mitternacht soweit gewesen sein. Als ich heute gegen halb 12 aufwachte war ich bisschen desorientiert und fühlte mich nachwievor total gerädert. Naja, ich habe einige Stunden meines Lebens verloren, als ich durch die Zeitzonen reiste – das musste ja Spuren hinterlassen.

Bis ich es aus dem Hotel raus geschafft hatte war es dann auch schon halb 2, aber gut: es hat niemand auf mich gewartet, nicht mal die Stadt. Ich habe entschieden, zum Hauptbahnhof zu laufen (in dessen Nähe ist mein „Hotel“ ist) und so eine Hop on Hop off Stadtrundfahrt zu buchen. Der Typ an der Bushaltestelle erzählte mir, dass ich das Ticket auch noch morgen ganztägig nutzen kann (die sind sonst nur für 24 Stunden) – juhu! Aber erst mal heute angefangen. Habe mich also in diesen Bus geschwungen (oder eher drauf) und von oben die Stadt erkundet. Es war richtig bitterkalt und so war ich froh, als ich am Circular Quay angekommen gleich einen Starbucks fand. Sowieso gut, denn da war es dann schon 15 Uhr und ich hatte noch nicht gefrühstückt. Während ich da draußen saß (und immer noch fror) fing es dann auch noch an zu regnen. Super!

Vom Circular Quay bin ich in Richtung Oper gelaufen, die Sonne kam langsam wieder raus und ich habe an der Oper gestanden und die bestaunt, genauso wie die Harbour Bridge. Toll! Bin dann zurück zum Bus um weiter in der Stadt rum zu fahren und Überblick zu gewinnen. Als der Bus wieder am Hauptbahnhof ankam bin ich raus, weil ich schon wieder durchgefroren war und ab ins Hotel. Von da aus habe ich noch mal einen kleinen Abstecher in ein Pub hier in der Straße gemacht, einen fantastischen Burger gegessen (bzw. Teile davon, weil das gute Stück war mit sämtlichen Zutaten bestimmt 10 cm hoch), mit lecker Pommes dazu, an denen ich mir mal direkt den Gaumen verbrannt habe und zwei Bier getrunken. Jetzt bin ich wieder in meiner Unterkunft, plane ein bisschen den weiteren Verlauf meiner Reise, schreibe diesen Bericht…

Für morgen plane ich, weiter mit dem Bus zu fahren (weil Ticket war teuer und ist ja noch gültig). Morgen früh erst mal raus zu Bondi Beach, danach wieder in der Stadt rum cruisen und diesmal wirklich ein paarmal auf- und abspringen, nicht nur fahren.

Samstag, 13.08.2011:

Um 5 Uhr morgens Ortszeit Singapur war für mich eine ohnehin nicht allzu gute Nacht zu Ende. In meiner ersten Nacht in Singapur hatte ich geschlafen wie ein Stein. Klar, ich war am Vortag früh aufgestanden, habe über 12000 km in der Luft zurückgelegt (in einem zu engen Sitz mit einer nicht gerade rücksichtsvollen Sitznachbarin) und konnte dabei herzlich wenig schlafen. Das wird wohl in der ersten Nacht geholfen haben. In meiner zweiten und dritten Nacht in dieser tollen Stadt allerdings konnte ich nur schlecht schlafen. Nicht nur dass die unbedingt notwendigen Klimaanlage im Zimmer laut war, nein, es dröhnte auch noch vor meinem geschlossenen Fenster eine Lüftung so laut, dass an Schlafen kaum zu denken war.

Wie auch immer, um 6 Uhr habe ich ausgecheckt und bin mit dem Taxi zum Flughafen gefahren. Eine ausgesprochen abenteuerliche Fahrt. Nicht nur in einem Taxi, das bei uns wohl keinen TÜV mehr geschafft hätte, sondern auch auf der falschen Seite.  Außerdem scheint es nicht in Mode zu sein, in seiner Spur zu bleiben beim Fahren. Am Flughafen angekommen war noch nicht einmal der Check-In Schalter geöffnet (ich war ca. 6.30 Uhr da und der Flug ging erst um 9.40 Uhr – aber ich dachte mir, lieber früher da sein als später).Aber kurz drauf ging’s dann los… durch die erste Sicherheitskontrolle, Passkontrolle, noch mal Passkontrolle… Und dann am Flughafen mit über 2 Stunden Zeit zu verbummeln. Nach einem kleinen Frühstück habe ich mich entschieden, es mir einfach auf der Raucher-Terrasse gemütlich zu machen. Schön angelegte Terrasse mit wunderbarem Blick auf die Start- und Landebahn, auf der ich dann auch gegen 8 „meinen“ A380 ankommen sah. Nach weiteren 45 Minuten Zeit-Schinden (mit Schlendern durch die Duty Free Läden und dem Kauf einer Stange Zigaretten für lächerliche 15 Euro) ging das Boarding los. Der A80 ist schon ein tolles Flugzeug! Sehr geräumig (auch die Sitze breiter), modern, toller Service der Qantas… damit fliege ich jetzt immer. J Der Flug war extrem kurzweilig. Mein Highlight: SkyCam, eine Kamera, die an der „Heckflosse“ angebracht ist und den gesamten Flug über filmt, was man natürlich ansehen kann.

In Sydney sind wir nach ca. 8 Stunden Flug  mit bisschen Verspätung gelandet und nach kurzer Zeit hatte ich endlich meinen zweiten Stempel im Pass. Man merkt hier sofort, dass Australien englische Kolonie war. Nicht nur, dass sie links fahren, nein, hier wird sich natürlich auch für alles angestellt. Also stellte auch ich mich in die lange Schlange bei den Taxis. Für 32 Dollar bekam ich einen Taxifahrer, der sich nicht auskannte und eine Taxifahrt, die mich echt genervt hat. Am Hotel angekommen stellte ich fest, dass die Rezeption nur bis 20 Uhr besetzt ist, musste also anrufen. Das Zimmer ist zwar groß, aber abgenutzt und für mich persönlich nicht sauber genug. Der Teppichboden klebt ein wenig, barfuß kann und will ich hier nicht sein. Aber das mag an mir liegen. Bin ja nur 3 Nächte hier – das werde ich schon aushalten. Habe nach Ankunft Ausschau gehalten nach einem Pub, in dem ich was essen und ein schönes Bier trinken kann. Aber hier im Viertel gibt es wohl hauptsächlich Libanesische Restaurants (und zwar eins neben dem nächsten). Habe also mal libanesisch gegessen – sehr freundlich, das spricht jetzt noch mit mir. J Man merkt auch ganz deutlich den Temperaturunterschied. Während ich in Singapur eine gescheite Decke hatte und es viel zu warm war darunter, liege ich jetzt hier in Sydney im Bett mit 2 Laken und einer Kolder (auch so eine britische Sache) und muss noch mal ein paar Lagen nachlegen, sonst friere ich heute Nacht.

Morgen habe ich mir vorgenommen, eine Busrundfahrt zu machen, um einen Überblick zu bekommen. Und erst mal ausschlafen. Einfach treiben lassen.


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